Ehrenamt-Tagebuch, Teil 18

So hier geht es weiter

15.05.2020 - es hat sich ein bisserl was getan. AY (Jemen) hat Nachricht von IOM (International Organizsation for Migration) erhalten, dass man an seiner Familienzusammenführung arbeitet, aber wissen will, ob er noch interessiert ist. Er hatte schon gedacht, dass er da nichts mehr hört und hatte mich wegen der Zusammenführung um einen Anwalt gebeten. So jetzt  läuft das doppelt. Ich habe wieder darauf hingewiesen, dass sie mich oder andere Leute immer informieren müssen, wenn bereits andere mit Hilfe betraut sind, gerade Anwälte müssen das wissen. Also den Anwalt informiert, der hat mir gesagt, dass es gut ist, dass er mit dem IOM zusammenarbeiten kann. Mein Schützling fürchtet um das Leben seiner Frau und seiner 2 Kinder. Er hat ja selbst Schusswunden im Bauch und Oberschenkel.

Er spricht ja kein Deutsch und kein Englisch und so hilft uns immer ein Freund, der vor 2 Monaten nach Oberfranken verlegt wurde. Das ist ein ewiger Hin und Her. Alles, was ich und der Anwalt schreiben muss ins Arabische und die Antworten ins Deutsche. Was für ein Zeitaufwand. Und zur Zeit keine Deutschkurse.

Die Gruppe der Afrikaner (40 Leute) ist gestern wieder aus der Quarantäne in Ingolstadt zurück gekommen. Keiner war bisher infiziert. ich muss immer darauf hinweisen, dass sie sich jetzt jeder Zeit doch infizieren können, so lange nicht nachgewiesen ist, dass sie die Krankheit schon hatte und geheilt sind. Nicht jeder merkt das ja.

Einer von ihnen, Sierra Leone, kommt am Montag zu mir, damit ich ihm sein überarbeitetes Zertifikat überreichen kann. Er mit Maske und ich mit Maske. Der Aufenthalt in geschlossenen Räumen wird für lange Zeit das größte Risiko bleiben. Also passen wir gut auf.

Ich habe ja wieder Masken von Chris geschickt bekommen, siehe auch Gästebuch, und schon einige versandt. Gestern abgeschickt und heute habe ich schon die erste Danksagung erhalten. Chris hatte auch das Geld mitgeschickt, dass sie von anderen Freunden für die Masken bekommen hatte. Das kam in meine Anwaltskasse.

Der Jemenit (S.A.), der in Oberfranken ist, hat immer noch keinen neuen Ausweis erhalten - steht ihm seit Anfang Mai zu - und kann daher kein Konto eröffnen.

Sowohl die Caritas als auch ich haben die Behörde angeschrieben, aber beide noch keine Antwort erhalten. Am Montag rufe ich dort an.

Dann wir ich ja im März bei einer Info über Weiterwanderung. Ein weiteres Jemenit, auch in Oberfranken, möchte zu seinem Bruder in Kanada, also haben wir Kontakt zum Raphealswerk, Hamburg aufgenommen. Man wird sich darum kümmern, er bekommt wieder Bescheid. Es wird sich wohl viele Monate hinziehen.

An unserem Web-Auftritt arbeiten wir auch, es kommen immer neue Links und News dazu.

17.05.2020 - Gestern hat mich eine Bitte erreicht, doch einen Lebenslauf für einen Jemeniten (SR) zu schreiben, er hat mir ein paar Daten per Whatsapp geschickt. Habe mich dann gleich am Abend hingesetzt und beim Versenden per Mail alles versehentlich gelöscht. Also heute morgen das ganze noch mal. Jetzt muss er alle Lücken ausfüllen und dann schauen wir mal, ob wir was ordentliches hinbekommen. Ist nicht so einfach auf Entfernung -- er wohnt in der Nähe von Freising und sein Deutsch muss auch noch besser werden. Aber da er ein Hochschulstudium hat, wird er das hinbekommen.

18.05.2020 - Mini-Integrationstalk - habe MS seine überarbeitete Urkunde überreicht. Foto ohne Maske schickt er mir noch zu.

Es waren 2 Sierra Leoner da. MS und MB. Beide haben sich an meine Vorgaben gehalten. Sie kamen mit Masken. Wurden dann sofort ins Bad geschickt zum gründlichen Händewaschen.   In meinem Wohnzimmer hatte ich die Sitzgelegenheit so arrangiert, dass wir wirklich 1,5 m auseinander saßen und ich habe natürlich
auch eine Maske getragen. MB hat endlich das Geld für den Anwalt gebracht, er war bereits 3 Monate im Verzug. Ich gehe dann gleich zur Postbank und überweise. Die 50 Euro, die ich ihm vorgeschossen hatte, kann er mir später zurückgeben. Wir haben hier ein großes Problem. Er war ja gehalten eine Originalgeburtsurkunde zu besorgen, Kopie hat nicht gereicht. Vor 6 Wochen hat nun die Familie das Original per Einschreiben (liegt als Foto vor) an mich gesandt - ist nur leider nicht angekommen. Da in Sierra Leone wegen Corona auch ein Lockdown ist, kann die Familie nicht bei der Post nachfragen, was passiert ist. Wir wollen ja damit beweisen, dass er erst 17 Jahre alt ist und nicht bereits 20, wie vom BAMF vermutet. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät für eine Nachverfolgung. Er muss unbedingt aus dem Camp raus und in eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ich habe das Gefühl, im Camp lernt er nur Blödsinn - geht zum Glück seit heute wieder in die Schule. Die Lehrerin hat ihm erlaubt erst zu mir zu kommen, dann aber gleich danach in die Schule. Ich hoffe, er hat es gemacht. --- Die Berufsschule im Camp ist seit heute wieder geöffnet!!!!!!!!!! 

Sie haben mir erzählt, dass die Verlegung für 2 Wochen nach Ingolstadt in die Quarantäne sehr gut abgelaufen ist. Getestet wurden sie 1 x vor der Verlegung hier in Waldkraiburg und dann vor ein paar Tagen noch mal in Ingolstadt. Sie wurden alle erst mal negativ getestet.  Mohamed, der Ältere hat mir gesagt, dass er sehr froh ist,
dass er so viele Informationen von mir bekommt und sich auch an alles hält und es auch weitergibt. Das "negativ" nicht bedeutet gesund zu sein, sondern dass
sie sich jederzeit infizieren können war auch eine wichtige Information für ihn von mir. Auch das hat er weitergegeben.  Im Camp tragen sie alle den ganzen Tag ihre Masken.  Sie wussten nicht, dass ich mit meiner Maske sie schütze und sie mich mit ihrer Maske. Auch, dass sie die Masken wechseln müssen, wenn sie feucht sind. Kann bei Dauertragen bedeuten, dass sie ca. 3 bis 4 x die Masken wechseln müssen, heiß waschen und trocknen. Auch daran werden sie sich in Zukunft halten und die Info weitergeben. Sie haben vom Camp 4 Masken bekommen. "und Pfoten weg von der Oberfläche der Maske" . Alle Informationen, die ich für richtig halte, aber nicht in den Ratgeber kommen, reiche ich per Whatsapp weiter. Wöchentlich so 30 bis 40 Whatsapp-Nachrichten.

Jeden Tag bin ich in Kontakt mit SK. Er kämpft mit seinem psychischen Zustand und ist stolz, wenn er mir abends schreiben kann, dass er den Tag gut geschafft hat (war ja auch 2 Wochen in Quarantäne - Maske habe ich ihm geschickt). Er durfte auch für 3 Wochen nicht zu seinem Psychiater.

So jetzt gehe ich zur Postbank und weise das Geld für den Anwalt an.

20.05.2020 - es gibt den Messenger - Dienst Telegram. Der wird so gut wie nie kontrolliert. Es dürfen alle Inhalte stehen bleiben. Daher wird er vorwiegend von Rechtsextremen und Islamisten genutzt. (Habe ich in der ARDe rfahren). Ich weiß von meinen Schützlingen, dass sie gerne Telegram benützen. Das ist dann immer Arbeit für mich, zu erklären, warum das Fake News sind. ---- Und noch etwas zu Originalpapieren. Die 3 Jemeniten, die von Waldkraiburg nach Pegnitz verlegt wurden, haben auf Anraten der Bayreuther Caritas ihre am 30.04. abgelaufenen Original-Ausweise zum Landratsamt/ZAB Bayreuth gesandt. Ich habe gestern angerufen und gefragt, wann mit der Verlängerung der Aufenthaltsgestattung zu rechnen ist. Durch Bayreuth gar nicht, weil sie sich nicht um Leute aus dem Jemen (????) kümmern, das macht München.

Einer hat seinen Ausweis per Einschreiben ans Bayreuther LA geschickt. Ich habe nicht herausbekommen, wo sein Ausweis geblieben ist. Das ist nun fast 4 Wochen her, dass er bzw. alle 3 ohne Papiere sind. Sie können kein Konto eröffnen. 2 haben jetzt erfahren, dass sie ihre Ausweise in ca. 3 Wochen bekommen. Einfach Irrsinn. Für den 3. habe ich jetzt noch mal die Caritas Bayreuth, die ja den Rat gegeben hat, die Papiere ans Landratsamt zu senden, um Hilfe gebeten. Mal sehen, was kommt.

Punkt 3: Zuzahlungen bei der Krankenkasse. Nicht alle Leistungen werden zu 100 % von der Krankenkasse getragen. Bei Krankenhaus-Aufenthalt werden 10 € pro Tag fällig. Zuzahlungen auch für Heil- und Hilfsmittel, für Reha usw.

Das hat jetzt auch wieder einen meiner Schützlinge getroffen, der immer wieder ins Krankenhaus muss. (Nasen-Gaumen-Spalte). Bei einem mehrtägigen Aufenthalt in der UNI-Klinik Regensburg kam so ein für ihn großer Betrag zusammen. Zum Glück hatte ich in der Zwischenzeit einen guten Kontakt zu Professor Ettl (behandelnder Arzt) gehabt, der uns dann geholfen hat, diese Ansprüche fallen zu lassen. Jetzt kam aber von der AOK doch wieder eine Rechnung für weitere Behandlungen. Ich habe gerade mit der AOK, Schrobenhausen telefoniert, man will prüfen, ob man die Rechnung etwas reduzieren kann. Werde berichten.  (Bei dem Telefonat habe ich erfahren, dass der Krankenhausbeitrag, der voriges Jahr angefallen war, wohl von Prof. Ettl bezahlt wurde - gut, oder?)

Kleine Ergänzung zur AOK: Der Mitarbeiter war sehr nett, hat mir alles ausführlich erklärt. Solidargemeinschaft heißt auch, dass wir uns mit 2 % an den Krankenkosten beteiligen müssen. Einen Nachlass gab es daher nicht, aber er darf monatlich 10 € abzahlen. Dann hab ich erfahren, dass er noch bis 29.05. in Quarantäne ist, weil sich wieder jemand in der Containerunterkunft infiziert hat. Das sind jetzt schon 4 Wochen. Wahnsinn.

22.05.2020 --- Heute konnte ich einem meiner Schützlinge, der uns auch im Computerklassenzimmer im Camp unterstützt einen Laptop überreichen. Was hat er sich gefreut. Vielleicht bekomme ich noch einen.  Dann ist mir wieder aufgefallen, dass sie immer wieder mehrere Leute um Hilfe für das selbe Problem bitten. Das verursacht unnötige Arbeit. Wenn man gleich weiß, wer sich noch engagiert, kann man sich kurzschließen und macht nichts doppelt.

Dann habe ich heute für die 3 Jemeniten unsere Ausländerbehörde um Hilfe gebeten. Die Antwort ist unmöglich, mich wundert jetzt nichts mehr.

"Sehr geehrte Damen und Herren,  ich bin ab dem 28.11.2018 um 14:00 Uhr wieder im Haus, in dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an ...." Das ist doch nicht fassbar.

26.05.2020 Es gibt noch Wunder, gestern kam von der Ausländerbehörde in Mühldorf ein hilfreiches Hinweis. Also habe ich gestern gleich Kontakt zur ZAB in München aufgenommen. Antwort kam schnell, aber sie brauchen eine Vollmacht, sonst dürfen sie mir keine Auskunft geben. Vordrucke haben sie allerdings nicht. Also im Internet was rausgesucht, weitgehend ausgefüllt und zu meinem Schützling in Pegnitz gemailed. Er unterschreibt jetzt und schickt es dann per Einschreiben an die ZAB. Er wollte mit dem Studium anfangen, geht nicht ohne Ausweis, er braucht ein Konto, geht nicht ohne Ausweis, er will den Ort verlassen, geht nicht ohne Ausweis.

28.05.2020 --- Gestern haben wir dann erfahren, dass gestern alle Unterlagen der Jemeniten nach Bayreuth geschickt wurden. Sie müssen sich jetzt doch an die ZAB in Bayreuth wenden. Hinweis aus München: Das kann aber wege des Virus schwierig werden. Puh Und wir müssen die Vollmacht, die wir nach München geschickt haben, umschreiben und nach Bayreuth schicken. Haben wir in´zwischen auch gemacht.

Dann habe ich heute einen Anruf der Caritas aus Bayreuth erhalten, die Dame war sehr nett und hat sich entschuldigt, dass sie sich erst nach 1 1/2 Wochen meldet, sie war in Urlaub. Sie wird sich aber um die Angelegenheiten der Jemeniten kümmern.

Gestern Abend war ich mit H.O. Uganda beim Pizza essen. Schön draußen in der Sonne. Er will sich ein Fahrrad kaufen, damit er damit zur Berufsschule in die Kreisstadt fahren kann. Er hat zwar ein E-Bike, möchte es aber sportlicher angehen. Die Fußballsaison für die Amateure beginnt. Wir haben vereinbart, dass ich den Betrag vorschiesse - ist billiger für ihn - und er zahlt mir den Betrag in Raten ab.

01.06.2020 --- Ja was war los inzwischen. Geld fürs Fahrrad habe ich am Samstag bei einem Cappuccino auf der Terrasse in einem Café übergeben. Wie immer ohne Vertrag. Ich bin aber noch nie enttäuscht worden. Dann hat er sich am Wochenmarkt auch noch ein paar Kräuter für seinen Balkon ausgesucht und am Nachmittag hat er sich bei mir noch Blumentöpfe abgeholt.

Meinem jungen psych. kranken jungen Mann aus Sierra Leone ging es am Sonntag sehr schlecht und so ging er in die Ambulanz eines KH. Körperlich ist er gesund. Aber seelisch ein Wrack. Wenn er sich gestresst fühlt, kann er sich nicht mehr helfen und sucht zum Glück Hilfe im KH. Während der wochenlangen Quarantäne war das eine Katastrophe für ihn. Ende Juni muss er in eine psychiatrische Praxis auf Anordnung der Staatsanwaltschaft. Seine Gerichtsverhandlung steht ja bald an.

Mal sehen, ob ich bei der Gerichtsverhandlung dabei sein kann.

04.06.2020  --- habe Überweisungen für meine Schützlinge gemacht, einige haben ja kein Konto und können daher nichts überweisen.

Gestern haben ich dem sehr jungen Mann aus Sierra Leone Bio-Schlaf-Beruhigungstees gekauft, die er sich dann gestern auch abgeholt holt hat. ich möchte nicht, dass er dauernd Schlafztabletten nimmt. Eine kleine Anweisung, wie er sich verhalten soll, habe ich ihm auch gegeben.

ich bin gerade dabei, Verhaltensempfehlungen bei Schlafstörungen und Kopfweh zu erstellen. Wenn ich fertig bin, werde ich sie hier einstellen. Vielleicht hat hier noch jemand eine gute Idee.

Gerade organisierte ich den nächsten "Stadtspaziergang". Es sind ja nicht mehr viele im Camp, die ich noch kenne, diesen Kreis kann ich erst erweitern, wenn ich wieder meinen Integrationstalk halten darf. Morgen ist hier eine Demo gegen Rassismus und so habe ich sie eingeladen, mich zu begleiten. 4 haben sich schon gemeldet. Freut mich sehr. Werde dann wieder berichten. --- Und bis Ende Juni wird es wohl auch im Sprachkurs und Integrationstalk weitergehen. Da habe ich auch schon einen Plan erstellt und an meine Kollegen weitergeleitet. ---Langweilig ist mir nicht.

05.06.2020 der etwas andere Stadtspaziergang --- Statt 4 waren es nur 2, einer kam später nach, der andere hat sich dann nachts entschuldigt, er wäre nicht rechtzeitig zurück gewesen.

Aber es war ein einmaliger Anblick auf unserem Stadtplatz und auf dem Weg zum Versammlungsplatz. Die Straßen waren voll mit Afrikanern. so könnte es von mir aus bleiben. Bis auf den einen "Besoffenen". kommt aber  bei uns auch vor. Einer der Nigerianer hat auch eine sehr gute Rede gehalten. (auf Englisch)

Leider hat ein "Deutscher" mich sehr verärgert. Er kommt aus dem Linkenspektrum, was mich nicht stört, bin auch mehr in dieser Richtung unterwegs.

Aber er hat dann erzhält, dass unser Bürgermeister gegen Flüchtlinge wäre und 2015 sehr nah bei der AFD war. Stimmt nicht, er war einer der wenigen Bürgermeister, der gleich zugesagt hat, Flüchtlinge aufzunehmen. Bis zu 440 in der Erstaufnahme und 120 in einer Gemeinschaftsunterkunft und auch noch in dezentralen Unterkünften, so weit freier Raum zur Verfügung stand. Ich war nur froh, dass unsere fremden Freunde noch nicht so gut Deutsch verstehen. Wir sind die Stadt in Oberbayern, die die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat - wir stehen ja auch als Flüchtlingsstadt, die nach dem 2. Weltkrieg von Flüchtlingen gegründet wurde - in der Pflicht. Ohne Flüchtlinge wäre unsere Stadt keine Industriestadt geworden. Hier leben ca. 100 verschiedene Nationalitäten. Ich bin dann noch mit den beiden Sierra Leonern und dem Jemeniten ins Cafè gegangen. Dem jungen Mann habe ich heiße Schokolade bestellt. Toll, schmeckt super, hat er noch nie getrunken.

06.06.2020 War gerade mit meiner Schwester in Mühldorf und wir haben meinen "Enkel" abgeholt - 3 Monate hatten wir uns nicht mehr gesehen. Trotzdem wieder erkannt.

Wir waren im Café - m eine Schwester und ich Eiskaffee mit ganz dunklem Schokoeis und der junge Mann Eisschokolade. Er hat mir dann einige Briefe übergeben, meine Frage was denn die Bezahlung für Sekretärinnendienste ist, wurde mit einem breiten Grinsen beantwortet. Nächste Woche hat er Urlaub, da kommt er dann mit dem Fahrrad nach Waldkraiburg und ich hoffe, dass ich bis dahin alles für ihn erledigen konnte, damit er alles unterschreiben kann.

07.06.2020 --- Seit gestern steht auch der Arabische Text auf unserer Website www.bei-margit-und-eva.de

Heute morgen  hat mich ein "ehemaliger" Schützling angerufen. Er ist schon seit 4 Jahren in Deutschland, war hier bei mir im Computerklassenzimmer, war bei meinem Kollegen im Fortgeschrittenenkurs, hat inzwischen B2 und spricht fast fehlerfrei Deutsch mit französischem Einschlag. 2 Jahre hatte er bei Amazon gearbeitet, aber wegen Hautausschlag aufgehört. Er musste Obst und Gemüse verpacken. Daran merkt man wieviel Gifte gespritzt werden. Jetzt hatte er vom Arbeitsamt wieder einen Job vermittelt bekommen, aber der Personalchef hat gesagt, dass er keinen Afrikaner will, weil er nur schlechte Erfahrungen gemacht. Diskriminierung, Rassismus?

Heute Nachmittag habe ich mit einem Jemeniten telefoniert, der mir den Text vom Anwalt an seinen Freund hier auf arabisch weitergeleitet hat. Nicht einfach, weil ich ja auch diese Juristensprache nicht verstehe.

Dann habe ich meinen Freund in USA vermisst, er hat gestern Abend und heute Vormittag nicht geantwortet. Grund: Zu lange gestern gearbeitet, dafür heute morgen verschlafen. Hauptsache  alles ist ok.

10.06.2020 --- Die letzten Tage waren viel Arbeit und manches ist nicht durch mich zu lösen.

Montag konnte ich mit meinem nigerianischen Freund in USA skypen, diesmal übers Iphone. mit dem Laptop hats nicht funktioniert. Jetzt muss ich mal sehen, wie ich Facetime installieren kann.

Immer  wieder bekommen meine Schützlinge Post, die sie nicht verstehen, es wäre schon gut, wenn wenigstens im 1. Jahr die Schreiben in ihrer Sprache wären.

Am Nachmittag war der Mann aus dem Jemen da, der nur arabisch spricht. Man ist das schwierig. Wir haben mit Googleübersetzer und einem Freund übers Telefon gearbeitet. Wahnsinn - ich war fertig hinterher. Und ich weiss ja immer nicht, ob es wenigstens die Hälfte verstanden hat

Dann kamen gestern einige Anfragen zur Hilfe bei Hausaufgaben. Das ist über Telefon sehr schwer. Sie leben schon seit einiger Zeit an anderen Ort.

SM schreibt, wie er es spricht. Das ist harte Detektivarbeit für mich und manches gekomme ich nicht raus "herrefune"? keine Ahnung. "Deutschkosses" hurra ich weiß es "Deutschkurse", "ausofgerbe"? weiss ich auch "Hausaufgabe". Aber so einiges bekomme ich nicht raus. Da ist es schwer zu helfen.

Ein anderer junger Mann  - auch aus Uganda - hat mir seine Hausaufgaben geschickt. Das ist alles von der Ausbildung/Berufsschule - ich habe nie eine Ausbildung gemacht und natürlich auch keine Berufsschule besucht. Es sind ca. 80 Fragen - keine Ahnung.

Dann kam gestern spät um 22 Uhr noch eine Nachricht vom Anwalt, die ich dringend bearbeiten soll und an den entsprechenden Klienten weiterleiten soll. Der Klient ist der Mann, der am Nachmittag bei mir war. Das Problem ist, dass ich das Anwaltsdeutsch auch nicht gut verstehe. Terminlich steht er jetzt unter Druck, d.h. eigentlich ich, weil ich es so rüberbringen muss, dass er es versteht. Wir brauchen auch ein Skypegespräch mit dem Anwalt. Jetzt habe ich die Tel. Nr. eines Sozialarbeiters aus dem Ankerzentrum, der aus Jordanien stammt und schon gut deutsch spricht. Er muss bei einem Gespräch mit dem Anwalt helfen. Skypen können sie im Camp. Die Leitung hat das zugesagt.

Heute habe ich mich mit einer Jemeniten auf einen Kaffee in der Stadt getroffen, ihr konnte ich gleich das Schreiben vom Anwalt mitgeben. Zum Mittagessen hatte ich heute noch kaum Zeit, habe nur versucht zu erklären, erklären, erklären - auch Dinge, die ich selbst nicht verstehe.

Der Jemenit hat immer noch nicht seine neuen Papiere bekommen. Die Ausländerbehörde hier hat mir geschrieben, ich soll mich darum kümmern und die Ausländerbehörde in München anschreiben (hatten wir schon für 2 Wochen wegen Bayreuth), daher weiß ich, dass ich erst mal eine Vollmacht brauche. Also kommt der Mann morgen wieder zu mir um mir die Vollmacht zu unterschreiben. Dann kann ich nach München schreiben. Corona scheint mir eine willkommene Ausrede für das Hinziehen zu sein.

Freitag treffe ich mich vormittags mit einem Sierra Leoner aus dem Camp und am Nachmittag kommt meine "Enkel" zu mir, auch von ihm brauchte ich eine Vollmacht für die AOK.

Samstag Abend mache ich ein Spargelessen für den Ugandaer, der hier eine Ausbildung macht. Er hat mir gerade geschrieben, dass er seine schriftliche Führerscheinprüfung fehlerfrei abgeschlossen hat. Fahrprüfung "wegen Corona" erst in 2 Wochen.

Von der Frau aus dem Jemen habe ich heute ein bisschen mehr erfahren - Sie ratschen auch gern.

Es gab im Camp letzte Woche wieder einen Vorfall:

1. Frau sind intelligenter als Männer, egal woher sie kommen.

2. Trotzdem lernen sie nicht genug.

Es sollte eine Frau verlegt werden - im Camp bleiben sie ja nur eine gewisse Zeit, dann kommen sie in Gemeinschaftsunterkünfte oder je nach Status dürfen sie sich auch eine eigene Unterkunft suchen (das ist nahezu aussichtslos). Also diese Frau wollte das Camp nicht verlassen. Es gab ja vor einiger Zeit schon mal einen Vorfall, dass einer weil er nicht verlegt werden wollte - viele wollen aus dem Camp nicht weg - versucht hat aus dem 2. Stock zu springen. Was blöd ist, weil es nicht hoch genug ist, habe ich ihm auch gesagt, das Haus hat 6 Stockwerke - solche Aktionen sind als Drohungen/Erpressung zu verstehen - er wurde ja sowieso verlegt, aber über den Umweg der Psychiatrie. Diese Frau nun hat sich für den 4. Stock entschieden - also was gelernt, leider nicht das richtige - die Feuerwehr holt sie runter und dann geht es trotzdem zu einem neuen Platz, aber auch hier über die Psychiatrie.

Und dann hat sie mir noch erzählt warum sie den Jemen verlassen hat ohne ihre 4 Kinder. Ihr Mann hatte sie verstoßen, weil sie keine weiteren Kinder wollte. Sie wollte nur 1 oder 2, aber konnte sich nicht durchsetzen, nach dem 4. Kind hat sie Stop gesagt, daraufhin hat er sich eine andere Frau gesucht. Sie  hatte nun weder Unterkunft noch Einkommen. Sie will aber irgendwann in den Jemen zurück. Sie ist eine tüchtige Frau, geht hier in die Schule, hat während des Ramadan für ihre "Mitcamper" in der Camp-Küche gekocht. Sie spricht aber auch sehr gut Englisch und kümmert sich um die jüngeren Leute, so auch um meinen sehr jungen Mann aus Sierra Leone. Sie schubst ihn zur Schule und aus dem Bett. Sie hat mir auch erzählt, dass die Campleitung es ihr ermöglich hat für die Muslime im Camp ihre spezielle Suppe zu kochen. So haben sie Ramadan ganz gut verbracht

12.06.2020 --- Heute war ein Artikel in der Zeitung, dass sich einige Camp-Bewohner, Afrikaner über die Behandlung beschwert haben, wie mit ihnen nach einem Corona-Fall einer Kongolesin umgegangen wurde. Die Unterkunft für die Quarantäne war unterirdisch. DAs wurde mir auch schon erzählt. Man hat sie nicht getestet, aber zu 10 Personen in einem Raum untergebraucht. Ich glaube unsere Gesundheitsämter brauchen Nachhilfe- der Test kam nach einigen Tage, niemand war infiziert. Was für ein Glück. Hier in der Unterkunft wurden wohl einige von den Sicherheitsleuten rassistisch angegangen. Dem soll jetzt mit einer Beschwerdestelle im Camp abgeholfen werden.

Finde ich super.

Am Nachmittag um 14 Uhr kam dann mein "Enkel" und wir haben an seinem Berichtsheft für Mechatroniker  gearbeitet. Obwohl er schon gut spricht, ist das Fachdeutsch doch sehr schwierig. Und es kommen immer wieder Mischwörter vor - englisch/deutsch - das erkennt er aber nicht. Das macht ihm große Probleme, weil er diese Wörter ja nicht im Übersetzen findet. Er war bis kurz vor 18 Uhr da - war ein sehr schöner Nachmittag. Dafür, dass ich keinen Führerschein habe, findet er mich sehr gut.

Wir hatten Cappuccino und selbst gebackenen Kuchen und ein Erfrischungsgetränk - Zitrone mit Minze. "Oma, wo kaufst Du das". "Bei mir" Jetzt warte ich, dass ich Bescheid bekomme, dass er die 25 km sicher nach Hause geradelt ist. fast 2 Stunden später: er ist gut in seiner Unterkunft angekommen - hatte wohl noch eine kleine Radtour gemacht.

Für eine halbe Stunde kam auch noch ein Kollege aus dem Camp und ich hatte meinen Enkel gebeten, ihm noch mal zu erklären, wie wichtig das ist, um das ich ihn gebeten habe. Vielleicht glaubt er mir jetzt, bzw. erkennt den ernst der Lage

13.06.2020 --- Heute um 8 Uhr zur Bank gegangen um für einen Schützling Geld an den Anwalt zu überweisen. Der Anwalt ist ja nicht vor Ort, und wenn sie im Ankerzentrum sind, können sie auch kein Konto eröffnen. Also bin ich der Geldbote. Sie bringen mir immer einen kleinen Abschlagsbetrag und den überweise ich dann und den Beleg schicke ich dann an meinen Schützling.

Als ich zurückkam war auf meinen Handy eine Sprachnachricht von dem jungen Sierra Leoner, der ja schon im Herbst letzten Jahres verlegt wurde, viele Woche in der Psychiatrie verbracht hat. Einmal hatte ich ihn in einer Einrichtung bei München besucht und ein paar Wochen später in seiner Container-Unterkunft. 4 Wochen später kam Corona. Heute hat er mit eine Sprachnachricht geschickt und sich bedankt, dass ich immer für ihn da bin. Es war so berührend, dass mir die Tränen runtergelaufen sind.

Er wünscht mir noch ein langes Leben, weil er mich braucht. Es kommt ja auch noch einiges auf ihn zu wegen seines versuchten Angriffs auf einen Sicherheitsmann im Herbst in Bad Tölz. Die Ladung vor Gericht liegt schon vor. Ich hoffe, er kommt vor einen Richter, der sich etwas in ihn hineinversetzen kann. Nächste Woche muss er erst mal in eine psychiatrische Praxis, die ihn begutachten muss, damit das Gericht, weiß oder wenigstens ahnt, woher der Ausraster kam. Er ist hier sehr liebevoll gewesen.

Es muss während einer seiner Panikattacken passiert sein. Die hat er immer wieder,  begibt sich aber mittlerweile sofort selbst in die Psychiatrie.

14.06.2020 ---  Der gestrige Abend war sehr schön. Ich hatte den H., den Fußballer, zum Spargelessen eingeladen. Wenn wir nicht gerade beim Glauben landen (er ist "frommer" Christ, weit weg von meiner Einstellung), sind es immer sehr gute Gespräche. Es ist einfach wohltuend, sich mit einem so jungen Mann zu unterhalten. Ich glaube wir lernen viel von einander. Wir kamen auch auf die USA und auch Rassismus hier bei uns zu sprechen. Auch ihm passiert es in öffentlichen Verkehrmitteln, dass man ihm ungefragt in die Haare faßt. Ich hatte ihn auch vor einiger Zeit gefragt, ob ich mal seinen spriesenden Bart anfassen darf, er suchte einen guten Bartschneider. Aber so etwas ist die Ausnahme. Zurück zum Spargel: Ich hatte grünen, lila und weißen Spargel, mal als Salat mit Mozzarella, Erdbeeren und Balsamico und Toast dazu, dann gebraten mit

Frühlingszwiebeln und Tomaten, dazu gekochten Schinken und Schwarzwälderschinken und selbstgemachter Remoulade. Weißen Spargel gekocht, mit brauner Butter, hartgekochten, gehackten Eiern und Kartoffeln. Es blieb nichts übrig, den Kuchen hat er sich dann mit nach Hause genommen. Es waren 3 wirklich gute Stunden

15.06.2020 - Treffen mit S.M, Sierra Leone, hat ein Schreiben vom Gesundheitsamt und weiß nicht weiter. Ich will mal sehen, ob ich Auskunft bekomme.

16.06.2020 - Hier meldet sich die Außenstelle des Ankerzentrums, die Sekratärin des Anwalts, die Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes, die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde Oberbayern, die Dauereinsatzhilfe meiner "fremden Freunde"u.a. bei Botschaften, die Köchin, die Übersetzerin, die in den Arschtreterin, Kontaktaufnahme zur Caritas, Trösterin, Achja Banken, Krankenkassen, Kliniken, Ärzte und Drückerkolonnen der Zeitschriften habe ich noch vergessen
Der tollste Job ever

Aber heute ist mir was peinliches passiert. Keine Ahnung wie. Ich habe das Schreiben vom Gesundheitsamt versehentlich an einen Mitbewohner im Camp geschickt.

Da konnte ich nur tief zerknirscht um Entschuldigung bitten. Weiß aber immer noch nicht, wie das passiert ist.

Mein "Enkel" hatte mich ja gebeten, bei der Funke-Medien-Gruppe nachzu fragen, warum er eine Mahnung bekommen hat. Ich wollte dann von Funke den Vertrag, den sie mit ihm geschlossen haben, einsehen. Geht nicht, brauche ich eine Vollmacht. Also Vollmacht geschrieben und an meinen Enkel geschickt. Oma, das mache ich nicht, ich rufe selber an. Na dann. Seine Ansage: ich habe genug Bücher, ich brauche nichts zum Lesen. Wenn sie mein Geld wollen, gehe ich zum Anwalt. Ich hoffe nur, der gibt ihm einen Tritt in den Hintern bevor er ihm eine Rechnung schickt. Oh Mann

17.06.2020 --- so heute Nachmittag war ich mit einem der Jemeniten bei der Ausländerbehörde. Anstrengend - insgesamt 3 Stunden mit Maske. Papiere sind noch nicht da . Die Dame war auch sauer, dass München es nicht schafft innerhalb von 3 Monaten die Papiere zu schicken. Der neue Pass steht dem Mann zu. Der Anwalt hat schon mit Anzeige wegen Unterlassung gedroht. Jetzt hat er erstmal ein vorläufiges Papier. Damit kann er zum Jobcenter und auch zur VHS. Noch kann er kaum Deutsch - war auch für mich sehr anstrengend. Ich hatte auch nicht mit sooo warmen Wetter gerechnet. Dafür regnet es jetzt.

Morgen Früh geht es weiter, da kommt ein Mann aus Sierra Leone zum Telefonieren mit seiner Botschaft.

18.06.2020 - Leider hat es nicht geklappt eine Telefonverbindung zur Botschaft zu bekommen, entweder es ging niemand ran oder es war belegt. Er hat es dann noch mal von seiner Unterkunft aus probiert und es hat geklappt. Später hat mich die Botschaft angerufen und noch nach ein paar Daten gefragt. Er bekommt auf jeden Fall eine Bestätigung, dass er sich um einen Identitätsnachweis bemüht hat. Ein erster Schritt ist gemacht. Dann noch den Anwalt informiert, was wir für den Jemeniten erreicht haben. Und von den Jemeniten, die in Pegnitz sind, (unter ihnen ist auch mein Distanzdolmetscher) noch ein Frage bekommen. Die Schreiben unserer Behörden sind wirklich schwer zu verstehen.

19.06.2020 - bis jetzt nur "Büroarbeit"

Mittags kam eine Whatsapp von meinem jemenitischen Dolmetscher - Er wollte wissen, wie es mir geht und ich solle gut auf mich aufpassen "Ich will dich wiedersehen". Das berührt schon sehr. Er ist gestern 29 Jahre alt geworden.

20.06.2020 - ich brauche morgen gutes Wetter. Nach 4 Monaten Corona-Pause habe ich wieder einen Spaziergang angeboten.

21.06.2020 - Spaziergang: Los sollte es um 14 Uhr gehen, als ich um 13 Uhr 45 von zuhause weggegangen bin, war es trüb, aber ok. Leider haben nur 4 teilgenommen, wobei einer (Tower= 192 cm groß) erst um 14 Uhr 15 kam. Sie essen ja wegen Corona in Etapppen und so war er etwas spät dran) . Wir sind aus der Stadt raus. Den Weg kannten sie nicht, es ging durch dickes Grün, mit Himbeeren, Erdbeeren und Heidelbeeren. Auch eine Blindschleiche haben wir gesehen. Sie waren begeistert. Zum Teil war es für die beiden Sierra Leoner wie in ihrer Heimat "Dschungel". Dann war noch ein Jemenit und eine Jemeniten dabei. 2 weitere hatten zugesagt, sind aber nicht gekommen - ohne Entschuldigung. Wir waren 10 km unterweg - ca. 3 Stunden. 15 min. bevor wir nach Hause kamen fing es fürchterlich an zu regnen, der Regen ging durch meinen Mantel durch, so dass mein Pullover darunter klatschnass war. Ich glaube es hat ihnen sehr gut gefallen. Die beiden Sierra Leonear werden wohl bald ihren Transfer und evtl. auch Push out bekommen (das wäre für sie und mich sehr schlimm), die beiden Jemeniten haben die Aufforderung bekommen sich hier eine Wohnung zu suchen und natürlich auch Arbeit. Sie kann schon sehr gut Deutsch, er muss noch sehr viel Deutsch lernen. Da arbeiten wir gerade an der Familienzusammenführung.

Von meinem Fußballer habe ich die Nachricht bekommen, dass seine Mutter wohl im Sterben liegt. Er hat vor ca. 6 Jahren Uganda verlassen und seine Mutter entsprechend lange nicht mehr gesehen. Selbst von dem wenigen Geld, das er hier bekommen hat, hat er immer seine Mutter unterstützt. Zum Glück gibt es Geschwister, die sich jetzt kümmern, aber auch diese leiden an einer Erbkrankheit, die er zum Glück nicht hat.

22.06.2020 - so jetzt habe ich mich langsam wieder beruhigt, nachdem ich mich richtig geärgert hatte. Chris wird mich sicher verstehen. Wir hatten heute unser Treffen, wie es mit dem Sprachkurs und dem Integrationstalk weitergeht. Für das Gebäude gibt es ein Hygienekonzept, das eingehalten werden muss. U.a. ist Maskenzwang in den Räumen. Ich war die einzige, die ihre Maske aufgelassen hat. d.h. ich habe die anderen geschützt, aber sie fanden es nicht nötig, mich  zu schützen. Wie soll man das dann, den Flüchtlingen klar machen, wenn wir uns nicht daran halten. Sie haben mich ausgelacht. Ich war dann der Meinung, dass uns das Virus noch viele Monate begleiten wird.

Und nur das Einhalten der Masken- und Abstandspflicht das schlimmste verhindern können. Es wird immer wieder mal einen Lockdown geben. Eine Kollegin hat ein Busunternehmen "dann bin ich pleite". Aber gerade dann muss es ihr doch wichtig sein, alle Regeln einzuhalten. ich versteh die Leute nicht. Wenn ich gewusst hätte, dass ich die einzige bin, die eine Maske trägt, hätte ich eine FFP2-Maske zum Eigenschutz getragen.

Dann gab es Probleme mit dem Skypegespräch mit dem Anwalt. Ich hatte ihn gebeten mehrere Termine vorzuschlagen, hatte er nicht gemacht. So hatte der Dolmetscher heute Vormittag vorgeschlagen. Hat nicht geklappt, der Dolmetscher hat aber den Anwalt am Telefon erreicht und so haben sie einen Termin für morgen ausgemacht.

Schreibt mir nicht der Anwalt, dass immer noch er die Termine vorgibt. Puh ich war kurz vor dem Ausrasten.

Der junge Mann, um den es hier geht hat von der Bayr. Regierung heute auch die Aufforderung bekommen, sich eine Wohnung zu suchen. ALso bleibt er hier in meiner Nähe. Er wollte schon mal nach einem Haus schauen. Nix Haus - max. 50 qm. Den Kontakt zum Job-Center nimmt der Dolmetscher/Sozialarbeiter auf.

Jetzt muss ich nur sehen, dass ich den jungen Mann für September bei der VHS anmelde

27.06.20

Leider ist nach alles so, wie ich es mir erhofft hatte, gelaufen. AmDonnerstag Nachmittag war der Jemenit mit dem Sozialarbeiter beim Anwalt, damit ein Dolmetscher dabei ist. Ich habe dann den Anwalt angeschrieben, wie es gelaufen ist. Da soll ich den Dolmetscher fragen. Also habe ich gebeten,d ass mich der Sozialarbeiter anruft. Auskunft: das macht er nicht, er will sich auch nicht weiter engagieren, z.B. Kontakt zum Jobcenter, Wohnungssuche usw. Der denkt sich auch, da gibt es eine Olle im Ehrenamt, die kann das machen. Mittlerweile habe ich heraus gefunden, dass beide nicht verstanden haben, was da an Kosten entsteht für die Familienzusammenführen. Beide haben nicht kapiert worin der Unterschied zwischen Streitwert und Kosten für den Anwalt besteht. Und so hat AA dem Anwalt geschrieben, dass er das Geld nicht hat und daher den Auftrag für die Familienzusammenführung zurück zieht. Er hat ja schon einiges bezahlt, für die Unterstützung bis Donnerstag und für das 2stündige Gespräch am DOnnerstag muss er auf jeden Fall ca. 200 Euro bezahlen. Ich habe jetzt dem Anwalt geschrieben, dass das Schreiben meines Schützlings erst mal zur Seite legen soll bis ich noch mal mit ihm gesprochen habe. Die junge Frau, die auch immer im Sprachkurs hilft, wird dolmetschen. Die Kosten für den Anwalt sind 1200 Euro für die Familienzusammenführung und dann sind da noch ca. 500 Euro für das Asylverfahren zu bezahlen. Für ein Jahr hat er ja subsidären Schutz. Das macht aber  eine Familienzusammenführung sehr schwierig. Wir wollen jetzt erreichem, dass ihm Flüchtlingsstatus zu erkannt wird. Das würde alles einfacher machen.

Ich hoffe, dass wir uns morgen sehen können.

Mein "Enkel" hat mir seinen Vertrag mit Vodafone gesandt, ich soll für ihn so schnell wie möglich kündigen. Werde ich auch wieder eine Vollmacht brauchen, da hat er sich richtig über den Tisch ziehen lassen.

Für den Sierra Leoner konnte ich auch etwas erreichen, wir haben von  der Botschaft in Berlin die Bestätigung bekommen, dass er Sierra Leoner ist. Immerhin kann  da damit beweisen, dass er kooperativi ist. Trotzdem brauchen wir eine Geburtskurkunde, dafür muss ich das Department for Death and Birth in Freetown anschreiben.

Am Montag hat er einen Termin beim BAMF. Mal sehen, was da raus kommt.

Dem ganz jungen Sierra Leoner habe ich wieder Einschlaftee gekauft. Ich habe mich mit beiden heute im Cafè getroffen. Dem einen die Tees überreicht, dem anderen die Mail von der Botschaft.

Am Donnerstag war ich mit Fußball-Uganda spazieren. Seine Mutter ist ja am Sonntag gestorben und er leidet sehr darunter, vor allen Dingen, dass er nicht bei ihr sein konnte. Er hatte sich diese Woche frei genommen. Gestern ist er nach München gefahren, da trifft er sich mit seinen Freunden (alle hier im Camp kennengelernt)- sie haben eine Totenfeier für seine Mutter arrangiert.

Mein Sorgenkind auch aus Sierra Leone in der Nähe von München hat für einen Krankentransport eine Rechnung über 800 Euro erhalten. Er war Anfang Mai aus dem Bett gefallen und hatte sich verletzt und einen Krankenwagen gerufen - das ist gründlich in die Hose gegangen. Ich habe alles an den Kollegen  bei der Caritas weitergeleitet. Er kümmert sich darum.

Das Jemenitischen Ehepaar bei Freising brauchte auch Hilfe. Ausfüllen eines Formulars fürs Jobcenter. Da können sie hingehen und sich helfen lassen. Ich hoffe nur, dass ich nicht zu viel versprochen habe.

SM - Uganda hat auch eine Papier geschickt von dem er nicht wusste, was es bedeutet. Es war die Jahreslohnabrechnung seines Arbeitsgebers. Er soll es sich da erklären lassen.

29.06.2020

Am 26.06. kam das Schreiben der Botschaft von Sierra Leone, in dem sie bestätigen, dass MS Sierra Leoner ist und dass wohl seine Angaben zum früheren Wohnsitz stimmen. Heute ist er zu einer weiteren Befragung beim BAMF und konnte so das Schreiben mitnehmen. je nach dem was in München rauskommt, wollen wir dann das Department für Death and Birth in Freetown anschreiben und um eine Geburtsurkunde bitten.

Am 27.06. habe ich mich dann mit den beiden Sierra Leonern aus dem Camp getroffen. Dem einen das Schreiben der Botschaft gegeben und dem anderen Schlaftees.

Wir waren im Café und für den sehr jungen Mann gabe es wieder heiße Schokolade - schön zu sehen, wie seine schwarzen Augen strahlen.

Am Sonntag kam um 16 Uhr der Jemenit zu mir, wir mussten über sein Gespräch beim Anwalt sprechen. Die junge Frau, die uns auch im Sprachkurs hilft, kam zum Dolmetschen mit. Er war ja mit einem arabisch-sprechenden Sozialarbeiter  beim Anwalt. Ich wollte von ihm wissen, was gesprochen wurde. Da hat er keine Zeit.

Der Anwalt: sprechen Sie mit dem Sozialarbeiter. Es ist zum Haare raufen. Everybody's Depp. Sie haben vom Anwalt eine Vollmacht mit bekommen. Er sollte sich bis morgen überlegen, welche Leistungen er vom Anwalt annehmen will. Ist ja alles sehr teuer - aber alles gemäß den gesetztlichen Vorgaben. Einmal für die Anerkennung als Flüchtling und einmal für die Familienzusammenführung. Der Sozialarbeiter hat denn für ihn  geschrieben, dass er auf die Familienzusammenführung verzichtet. Das haben sie gleich am Donnerstag noch abgeschickt, obwohl bis morgen Zeit gewesen wäre und ich vorher mit ihm sprechen wollte.

Gestern war er dann da, wir haben alles besprochen, auch dass ich ihm finanziel helfen werde. Also haben wir eine neue Vollmacht aufgesetzt. Die beiden waren 2 Stunden da. Am Abend habe ich dann gleich den Anwalt angeschrieben.

Wichtiges Thema gestern war auch, bitte nicht mehrere Leute für eine und dieselbe Sache ansprechen, oder wenigstens alle informieren, die darin eingebunden sind.

Jaja - kommt dann nicht im 22 Uhr eine Whatsapp von ihm mit einem Schreiben der Bayr. Regierung. Das Schreiben hat ihm eine andere Sozialarbeiterin gegeben und ihm gesagt, dass eine Familienzusammenführung im Moment wegen Probleme bei der Passbeschaffung im Jemen nicht geht. Zum aus der Haut fahren. Also heute morgen den Anwalt angeschrieben und um Klärung gebeten.

Außerdem muss er das Camp verlassen und sich eine Wohnung suchen. Also heute auch die Caritas um einen Termin gebeten.

 Und für meinen "Enkel" habe ich die Vodafone angeschrieben und um Details zu seinem Handyvertrag gebeten. Aus Datenschutzgründen werden sie ihm wohl direkt antworten.

Ein Glück, dass ich schon lange nicht mehr mittags koche, ich hätte gar keine Zeit mehr dazu

30.06.20 - gestern Abend habe ich mit meinem Nigerianischen Freund in USA geskypt - wie eigentlich immer montags, weil er da frei hat, er arbeitet ja übers Wochenende.

Er hat sich medizinische Masken mit Filter, die ihn schützen, gekauft. Er sagt, die Leute sind schon wieder so leichtsinnig. Kaum jemand trägt noch Maske. Dabei muss man stundenlang anstehen um in die Geschäfte zu kommen und dann stehen sie dicht an dicht ohne Maske. Um den Bedarf für eine Woche einzukaufen muss er stundenlang anstehen. 1 Stunde anstehen für 5 Minuten einkaufen. Und immer die Unsicherheit, ob nicht irgendjemand der Polizei unangenehm auffällt und es wieder eine Schießerei gibt. Wir  haben geskypt, während er angestanden hat. Er schaut sich dauernd um und beobachtet, was um ihn herum passiert. Er fühlt sich auf der Straße nicht sicher.

Grauenhaft und dann auch noch Coronazeiten. Zum Glück hat er noch Arbeit.

Auch heute: gerade kam per Mail von der Sierra Leonischen Botschaft, die offizielle Bestätigung, dass es sich bei meinem Schützling MS um einen Sierra Leoner handelt, sie haben auch sein Geburtsdatum und Geburtsort bestätigt. Ist zwar keine Geburtsurkunde, aber immerhin. Ich habe aber auch so was von geschleimt, hoffentlich ist niemand ausgerutscht. HURRA - hoffentlich nützt es ihm. Weiß jemand, wo in Bayern ein Fischer gesucht wird?

01.07.2020 Gestern Angelegenheit Sierra Leoner - keine Sau hat sich für das Schreiben der Botschaft interessiert. Grrrrr

Heute nach 3 Monaten  wieder Internetklassenzimmer - 3 Stunden mit FFP2-Maske und es war so heiß. 8 Leute haben wegen der Abstandsregeln Platz (vorher bis 20). Und jeder Platz war heute besetzt. Ohne die Maske geht es nicht, ich kann ja nicht 1,5 m Abstand halten, muss ja mal über die Schulter am Computer schauen und auch einiges erklären und da brauche ich einfach eine Maske, die mich schützt und nicht nur die anderen. Heute waren 2 Türken da, einer davon Arzt und ein Beamter. Die Frau von dem Arzt ist auch Ärztin, sie passt aber nachmittags auf die Kinder auf, geht dafür vormittags in die Schule. Beide sind bei Erdogan in Ungnade gefallen. Ist doch Wahnsinn, wir bezahlen diesen Despoten, damit er uns die syrischen FLüchtlinge fernhält, dafür nehmen wir türkische Flüchtlinge auf. Eine irre Welt.

dann war noch ein jemenitische Mutter mit ihrem 12jährigen Sohn neu da. Da wir noch Platz hatten durfte er bleiben. Sie ist Analphabetin und so haben wir ein bisschen das Alphabet geübt. Nächsten Dienstag werden ich entsprechende Bücher mitnehmen.

Noch mal zu meinem Freund in USA. Ich habe ihn gefrage, was wir eigentlich für ein eigenartiges Paar oder Gespann  sind. Antwort "inseparable companions". Das  das ein junger Mann zu mir sagt, mir mit fast 76 Jahren. Es gibt immer wieder wunderbare Überraschungen. Hei auf gehts.

02.07.2020 - Integrationstalk

es muss sich erst wieder rumsprechen, dass es ihn wieder gibt. Es war auch die türkische Ärztin da, mit Baby. Alle 3 Türken sprechen schon recht gut Deutsch und die Jemeniten, die erst mal unsere Sprache lesen und sprechen lernen muss. Für sie ist der Integrationstalk eigentlich nichts. Aber sie lacht mich an und ist zufrieden.

Die Konversation im Anschluss habe ich ausfallen lassen, es ist mit FFP2-Maske einfach zu warm und viel anstrengend.

03.07.20 - Ich war mit dem Jemeniten und einer Dolmetscherin bei der Caritas, die uns bei der Wohnungssuche behilflich sein will. Ich habe dann auch noch eine Adresse für die Unterstützung bei der Jobsuche bekommen. Und wir brauchen einen Wohnungsberechtigungsschein. D.h. für nächste Woche wir müssen ins Rathaus wegen des Wohnberechtigungsscheines, zu der Jobsuche, zur Genossenschaft wegen einer Wohnung und Anmeldung bei der VHS um die Sprachkenntnisse so zu verbessern, dass er überhaupt eine Chance  auf einen Job hat.

Dann wollte ich hier meinem Frust freien Lauf lassen, weil ich mich so über den Anwalt geärgert hatte. Hab mir gedacht, lass mal etwas Zeit verstreichen, dann bin ich in meiner Wortwahl schon etwas gemäßigt. Was für ein Glück. Der Anwalt hatte die Namen verwechselt, sollte zwar auch nicht passieren. Aber jetzt läuft es mit der Familienzusammenführung weiter. Ob mit Erfolg ist noch dahin gestellt. 

Auf jeden Fall war ich heute auf der Bank und habe erst mal das Geld für den Anwalt überwiesen. Ich brauch unbedingt eine höhere Rente.

Doof war, dass ich mein Portemonnaie am Automaten habe liegen lassen. Liebe Menschen haben es aber entdeckt und sind mir dann an der Türe schon entgegengekommen. Ich wollte am Markt bezahlen: Ups, wo ist mein Geld? Also wieder zur Bank. Alles ok

Dann war ich heute mittag etwas spazieren und als ich zurückkam waren einige Mails vom Anwalt da. Da muss ich mich auf kümmern.Er könnte mal einen Blumenstrauß schicken. ich leite alles weiter, ich sorge dafür, dass er sein Geld bekommt, von wem auch immer und ich durch mein wütendes Schreiben hat er wohl auch festgestellt, dass er das Scheiße gebaut hatte. Er muss zur Zeit alles alleine machen, seine Mitarbeiterin ist seit Wochen krank.

05-07-20 - der Anwalt hat mich gestern und heute auf dem laufenden gehalten. Es gibt noch Zeichen und Wunder.

Gerade hat mich ein Kongolese angerufen, der auch mal in Waldkraiburg war und unseren Computersprachkurs besucht hat. Er ist ein Dublin-Fall, hatte einen guten Anwalt, aber vor 1 bis 2 Jahren hat ihm dieser ehrlich gesagt, dass er nichts mehr für ihn tun kann. Darauf wurde ein neuer Anwalt gesucht, hat wieder Geld gekostet, aber an der Situation hat sich nichts geändert. "Eva, Du musst mir helfen". Wenn ich das könnte, wäre  ich zumindest Pabst, vielleicht würde auch schon Söder reichen. Der Mann hat Frau und 2 Kinder im Kongo, die er seit 4 jahren nun nicht mehr gesehen hat. Da ist er nicht der einzige. Familienzusammenführung wird es keine geben. Das gibt es nur bei Kriegsflüchtingen. Er sprich gut Deutsch, hat B2, hat auch schon gearbeitet. Vielleicht könnte ihm ein Ausbildungsplatz helfen." Eva, ich bin schon 35 Jahre alt". Jetzt hat er mir die E-Mail-Adresse seines Anwalt geschickt. Mal sehen, was ich in den nächsten Tagen raus bekomme. Ich habe unsere Gesetze nicht gemacht und k ann sie auch nicht ändern. Auch mit meiner Stimme bei den Wahlen konnte ich nichts bewirken.

Und hier geht es auch um Europäische Gesetzt - kannste auch in der Pfeife rauchen





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Schnitker Eva
Waldkraiburg
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