Tagebuch Ehrenamt - Teil 16

15.12.2019 - und wieder ein neuer Teil. Ich hatte ja gehofft, dass Teil 15 noch fürs alte Jahr reicht, aber leider leider


Ich hatte vor einigen Tagen geschrieben und jetzt gesehen, dass es weg ist. Ich möchte Euch nicht mit alten Sachen langweilen

und fange hier mit dieser Woche neu an

Also morgen sehen bzw. lesen wir uns dann wieder

18.12.2019

jetzt  hat es doch ein bisschen länger gedauert. Am Dienstag war ich mit meinem Enkel im Fahrrad-Reparaturladen der AWO. Ein kompletter Austausch der Kette, bzw. des ganzen Systems, lohnt sich nicht mehr. Also wird nur notdürftig gerichtet und dann sehen wir mal, wie lange es hält. Er muss ja ab Januar jeden Tag mit Zug und Fahrrad zur Arbeit.

Spenden für ein neues (gebrauchtes) Fahrrad und für eine warme Jacke für einen anderen jungen Mann werden gerne angenommen.

dann wollte ich ja heute einen ehemaligen Ankerzentrum-Bewohner in der Psychiatrie besuchen und gleich mit seinem Arzt sprechen. Leider hatte ich bis heute morgen keine Nachricht, ob das möglich ist. Heute Nachmittag habe ich  dann wenigstens eine Mail vom Krankenhaus bekommen. Vielleicht kann ich nächste Woche Freitag mit einer Lehrerin der Berufsschule fahren, oder evtl. auch mit meiner Schwester. Ich habe ihn auf jeden Fall angerufen und wieder mal zum Lachen gebracht. Adressen von Anwälten habe ich inzwischen auch. Sowohl die Caritas als auch der Bayer. Flüchtlingsrat haben mir geholfen.

ein Tag zurück 17.12. - Computerklassenzimmer

waren nicht so viele da, für die junge jemenitische Kollegin hatte ich ihr Bewerbungsschreiben überarbeitet. Für alle hatte ich Weihnachtsmänner und anderes mitgebracht.

Der junge verfrorene Mann aus Sierra Leone hatte mir erzählt, dass ihn der Lehrer aus der Klasse geworfen hatte, weil er unentschuldigt gefehlt  hatte. Warum? Er hat mir gesagt, dass er sich für den ersten Termin entschuldigt hatte, aber ohne Handy (er hat keines ) konnte er die anderen Tage nicht absagen. Mittlerweile habe ich ja die Lehrerin aus der Parallelklasse kennengelernt. Sie hat gestern mal reingeschaut und so konnte ich sie gleich darauf ansprechen. Heute die Mitteilung, dass er nach den Ferien wieder kommen kann.


Packerl mit Schals und Mützen: ein dickes Bussi an Chris. Gerade kam ein tolles Paket mit warmen Sachen und finanzieller Unterstützung an. Vielen vielen Dank

Integrationstalk am 19.12.2019

Ich habe über den Einwanderungsgipfel berichtet und das alle in der Flüchtlingsarbeit engagierte, das Handwerk und die Industrie der Meinung
sind,  dass wir gute Leute bereits im Land haben. "Engagierte Flüchtlinge sollten ein Bleiberecht bekommen" und somit auch eine Arbeitserlaubnis.

OVB 17.12.

Über die neue Regelung für Arbeitserlaubnis habe ich gesprochen. Habe interessante Mitteilungen  hierzu von den Organisatoren des Asylgipfels in Passau bekommen. Passau hat sich schon sehr gelohnt.

Wenn sich alle Ausländerämter daran halten, wird es für viele einfacher eine Arbeitserlaubnis zu bekommen.

OVB 19.12.: neue Rechte und Freiheiten für Frauen in Saudi Arabien. Es waren nur Jemeniten und Sierra Leoner da "bei ihnen gibt es diese
Freiheiten schon lange" In Sierra Leone haben die Frauen die gleichen Rechte wie Männer (aber alle nicht genug?)

Es waren gestern nur insgesamt 5 da. Erklärung kommt gleich Ich habe dann den Artikel vom 19.12. in der Zeitung angesprochen, dass es in Waldkraiburg inzwischen weniger Asylbewerber gibt und dass es insgesamt doch im Camp recht ruhig geworden ist. Es sind nur noch 380 gegenüber 428 im September.

Aber immerhin 45,7 % des gesamten Landkreises.

Ich hatte eine TN gebeten, doch mal zu sehen, wo die anderen bleiben: Sie kam ganz aufgeregt zurück. Ein junger Jordanier (MS), ich kenne
ihn gut, habe ihn auch immer ein bisschen betreut, er war bei einem der Chiemsee-Ausflüge im Juni dabei und auch letzte Woche hatte er um ein Gespräch
gebeten. Also er hat versucht Selbstmord zu begehen. Wollte wohl aus einem der oberen Stockwerke springen (das Camp hat 6). Liebeskummer - die Freundin, auch aus Jordanien (?), verheiratet, 2 Kinder, hatte wohl Ärger mit ihrem Ehemann bekommen.

Kommt in solchen Situation vor!. Auf jeden Fall war im Camp Polizei, erst mal mussten alle im Camp bleiben, bzw. war es dort auch sicher
interessant.

Aber so schnell ist ein Zeitungsartikel vom Morgen überholt.
Ich habe inzwischen erfahren, dass der junge Mann in ein anderes Camp verlegt wurde. Wohin weiß ich noch nicht. Ich konnte noch keinen Whatsapp-Kontakt zu ihm aufnehmen. Werde es weiter versuchen.

Ich habe die Adresse von TAFF da gelassen, falls mal jemand psychische Probleme hat - haben sie ja alle.

Ebenso die Adressen von allen Anwälten im Münchner Raum, die für sie evtl. in Frage kommen. Adressen habe ich vom Bayer. Flüchtlingsrat
bekommen.

Dann hatte ich die Waldkraiburg-Taschen mit Schreibblocks, Kugelschreibern und Seife bestückt und verteilt. Auch für die, die nicht da
waren. Die Taschen habe ich immer im Rathaus bekommen. Dieses Mal sogar vom 2. Bürgermeister. Die Blöcke, Kugelschreiber und Seifen von einer Freundin.

Weihnachtsgebäck hatte ich auch dabei. Was für ein Glück, dass nicht mehr gekommen sind, hätte sonst nicht gereicht. Waren gerade mal 5
Minuten, dann war alles weg.

Vor einiger Zeit hatten sie mich auf Bilder von mir angesprochen als ich jung war. Da ich alles weggeworfen hatte, waren nur noch
ein paar Hochzeitsbilder meiner ersten Hochzeit 1962 da. Ich 18 Jahre alt. Also die 4 Männer, die da waren, hätten mich gleich geheiratet - damals!!!

Ob ich das gewollt hätte??????

Warme Mützen und Schals hatte ich auch dabei. Habe ich von Chris bekommen


Nach 17 Uhr sind noch die beiden Sierra Leoner da geblieben. Der sehr junge Mann hat gestern den Negativ-Bescheid vom BAMF bekommen.
Einspruch muss innerhalb von 2 Wochen beim Gericht vorliegen. Das ist eine Unverschämtheit: Es ist Ferienzeit mit vielen Feiertagen. Die Anwälte sind alle
in Urlaub. Jetzt weiß ich wenigstens, was ich nächste Woche mache. Wir müssen den Brief am Montag schreiben und am Dienstag muss er spätestens raus. Da sind der Montag und Dienstag weg. Der junge Mann spricht auch kein gutes Englisch, da brauche ich den väterlichen (hoffentlich) älteren Freund dazu. Auch ich habe Probleme die BAMF-Unterlagen zu lesen. Ich will ihm ja nichts versauen.

Heute fährt er erst mal nach Mühldorf zur Caritas. Ich hoffe, dass der nette Kollege noch nicht in Urlaub ist.

26.12.2019 - nix war los, weil ich krank war und auch noch bin (war bei meiner Schwester zum Essen)

Heute Mittag hatte ich 1 x Sierra Leone (Muslim), 1 x Uganda (Christ) und ich (Atheistin)

Es ist einfach nur wunderschön, wenn Herkunft, noch Region noch Hautfarbe  eine Rolle spielen. Es sind tolle junge Menschen.

Gegessen haben sie auch alles und diesmal ist sogar war übrig geblieben. Vorspeise Räucherlachs, Bio aus dem Naturkostladen, mit Apfelmeerrettich und Fenchelorangensalat, Hauptgang Ossu Buco mit Safranpolenta, Nachspeise Früchtebrot mit Orangensahne. Getränke Ingwertee und Wasser

27.12.2019

was für ein anstrengender Tag für mich. ich bin mit einer Lehrerin der Schule, die  sich im Camp befindet vormittags nach Freising gefahren. Dort lebt seit Anfang Dezember eine jemenitische Familie am Arsch der Welt. Wir haben 2 Stunden mit ihnen geratscht, Tipps gegeben und sie konnten sich mal ihren Kummer von der Seele reden. Das war aber vor allen Dingen, weil sie nicht wissen, wie sie Sprachunterricht bekommen sollen, wenn kaum Busse fahren. Aber sie haben uns auch gesagt, wie dankbar sie Deutschland sind, dass sie hier in Frieden leben können und auch etwas Geld bekommen.

Die beiden sind ein Gewinn für unser Land. Sie ist sogar studierte Kindergärtnerin. Ihre Unterkunft ist schäbig. Er ist ja der Zeichenkünstler. Am Schluss hat er uns eine zugeklebte Folie gegeben, die wir hier einem anderen Jemeniten (unserem Videokünster) übergeben sollen. Darf niemand im Camp sehen. Aber für uns hat er noch mal aufgemacht, ein wunderschönes Bild einer eingebeteten jungen Frau.

Allerdings hat mich der Empfänger gestern genervt. Ich war kaum zu hause, da hat er versucht mich mit Whatsappp und Telefonaten zu erreichen. Eva kann ich jetzt kommen? Ich habe aber weder die Whatsapp beantwortet noch bin ich ans Telefon gegangen. Ich war so fertig. Außerdem bestimme immer noch ich, wer mich wann und ob besucht. Werde ihm heute Nachmittag sagen, dass er schnell kommen kann.

Am Nachmittag sind wir dann nach Haar in die Psychiatrie gefahren und haben da einen jungen Mann aus Sierra Leone besucht. Ein Riesengelände, wir wussten überhaupt nicht mehr wo wir sind. Dank lieber Hilfe haben wir dann das Haus 58 gefunden. Es hat so geregnet und daher war kaum jemand draußen. Als wir dann in dem Haus waren hat uns der Schlag getroffen, so hat es da nach Schweiss gestunken.Das die Menschen stark schwitzen,die unter psychischem Druck stehen, ist mehr als verständlich.  Da wäre es an der Leitung für bessere Luft zu sorgen. Die jungen Leute am Empfang waren sehr nett und haben mir auch ein Gespräch mit dem Arzt organisiert. Während wir auf den Arzt gewartet  haben, habe ich zum ersten Mal Kicker gespielt.

Allerdings war ich mehr Behinderung. Bedauerlicherweise war die Ärztin, zu der ich schon Email Kontakt hatte, nicht da.

Und die Vertretung oder was auch immer, hat mein Vertrauen wieder mal erschüttert. Ich dachte Arzt wird man, weil man anderen Menschen helfen will.

Da sind ja die Anwälte den Menschen zugewandter.

Wir waren 8 Stunden unterwegs und sind ca. 300 km gefahren - bzw. auch um München im Stau gestanden.

Auf jeden Fall konnte ich mit dem jungen Mann mal wieder persönlich sprechen und einiges klären. Auch, dass seine frühere Lehrerin dabei war, hat ihm sehr gut getan. Die Psychiatrie könnte man mit mehr Zuwendung bestimmt in einigen Fällen vermeiden. Wenn er nicht diese wahnsinnge Angst vor einer Abschiebung nach Italien - wo er misshandelt wurde - hätte, könnte er hier in Deutschland ein tüchtiger junger Mann werden. Er wird erst im Januar 19 Jahre alt. Wann er hier bleiben dürfte, könnte er in die Berufsintegrationsschule gehen.

Es war ein anstrengender Tag für mich. Die Lehrerin ist 16 Jahre jünger als ich. Sie ist Quereinsteigerin. Auch sie liebt diese  Menschen, hat immer wieder mal einige bei sich zu Hause. Toll, dass da die ganze Familie mitzieht.Sie musste schon 25 km fahren um mich abzuholen und abends musste sie diese Strecke auch wieder zurück.

31.12.2019

Habe mich gerade mit meinem "Enkel" getroffen um ihm für das kommende Jahr alles Gute  zu wünschen. Er fängt am Donnerstag mit der Ausbildung an.

Es wird nicht leicht für ihn werden, morgens früh raus, dann mit Zug und Rad zur Arbeitsstelle. Ausbildung und Schule. Habe ihm eine große Tüte Nussmischung gebracht - soll ihm Kraft geben. Und für die Radfahrten Leuchtstreifen und für den Rucksack einen Warnüberzug.

Am Samstag war er das erste Mal in einem Club beim Tanzen, die schwarzen Augen haben so gestrahlt.

Hier in den Clubs haben sie keine Berühungsängste mit diesen jungen Leuten. Mit Waffen werden immer nur die Osteuropäer erwischt.

02.01.2020

Skype gestern mir meinem nigerianischen Freund in USA. Er verdient  sich jetzt zu seinem Mindestlohnjob noch Geld dazu, indem er Essen ausfährt.

Er kam in Gegenden mit hübschen Häusern, schönen Gärten und Hunden. Da möchte er auch mal leben. Meine Frage: und welche Hautfarbe lebt da?

Da kam ein bitteres Lachen: Weiße natürlich. Es ist eine beschissene Welt.

Er hat mir dann erzählt, was einmal sein Ziel war, als er noch in Nigeria eine gute Anstellung bei einer Versicherungsgesellschaft hatte.

Er wollte dafür sorgen, dass Kinder in seinem Land eine gute Schulbildung bekommen und er hatte auch schon 2 Kindern den Schulbesuch ermöglicht.

Er wollte daher auch, dass faire Wahlen eingeführt werden. Das war sein Schaden, denn er musste politisch verfolgt und gefoltert, sein Land verlassen.

Wir waren uns aber einig, dass wir auch ohne Geld die Welt etwas besser machen können. Einfach ein Lächeln, eine kleine Hilfe beim Rolator schieben,

einen Flüchtling freundlich ansprechen, vielleicht mal auf  einen Kaffee in ein Cafè einladen. Das sollte in einem der reichsten Länder der Welt doch möglich sein.

Integrationstalk

viel war heute nicht los. 3 x Jemen, 2 x Sierra Leone. Die meisten sind noch unterwegs. Silvester haben sie alle in München gefeiert und
dort sich auch mit ehemaligen Campbewohnern getroffen. Auf den Fotos habe ich strahlende Gesichter gesehen und auch viele gute Wünsche fürs neue Jahr erhalten.

Ich hatte heute alkoholfreien Sekt dabei -scheußliches Zeug. Die Flasche war aber ruckzuck leer, Glückskäfer hatte ich auch dabei. Nächste
Woche gibt es dann die 2. Flasche. Bäh

Themen:

1.      Transfer muss vom Camp durchgezogen werden, die Sozialarbeiter machen nur ihren Job.

2.      Vereinbarte Uhrzeiten bitte einhalten. Ich hatte 3 Termine zwischen den Feiertagen ausgemacht. Alle 3 Kasperl standen vor meinem
Haus, wussten aber meinen Nachnamen nicht mehr und konnten so nicht klingeln. Ich hatte nach einiger Zeit immer die Eingebung mal aus dem Fenster zu sehen.

3.      Und sie sollen mir nicht x-Whatsapps schicken. "Eva, ich gehe jetzt los", "Eva ich komme gleich", "Eva ich stehe vorm Haus", Eva ......

4.      Was man dem anderen zum Neuen Jahr wünscht

5.     Gute Vorsätze, die meist am nächsten Tag wieder vergessen sind

6.     Ich habe ihnen dann auch gesagt, dass das vergangene Jahr eines meiner schönsten war und auch warum. Sie haben sich sehr
darüber gefreut. Habe einige Liebeserklärungen bekommen. Da musste ich erst sooo alt werden.

7.     Guter Vorsatz wäre weniger Zeit zu verpennen, sondern Deutsch zu lernen. Nicht "träume Dein Leben, sondern lebe Deinen
Traum". Hoffentlich kam es an.

Es ist schwierig eine Sprache zu lernen, wenn man nicht weiß, wie die Zukunft aussieht. Ich hatte mir mit 16 auch so manches Mal gedacht, warum lerne ich Englisch? Heute - 60 Jahre später - weiß ich es. Damit ich mit ihnen sprechen kann.

8.      Wann dürfen wir arbeiten? Wenn ich das wüsste

Einer der Sierra Leoner hat mir dann noch einen Bericht für den Anwalt übergeben. Ich hatte für ihn vor ein paar Tagen seine BAMF-Papiere beim Anwalt eingereicht und warte jetzt auf Termine.

03.01.20 Kleiner Ratgeber für unsere Neubürger um  sich mit unseren Lebensmitteln  gesund und vor allen Dingen mit Genuss zu ernähren

Ich habe mich mit einem Ehepaar aus Mühldorf getroffen - auch sehr im Ehrenamt engagiert - ob wir gemeinsam einen kleinen Ratgeber, eine kleine Broschüre entwickeln können, die hilft sich gesund zu ernähren. Es soll keine Umerziehung werden, die gewohnten Produkte können weitgehendst eingebaut werden, wenn sie denn hier verfügbar sind. Und es muss  Genuss bringen -  sonst bringt das nichts. Aber das ist alles noch recht vage. Ich musss auch mal drüber nachdenken. Ich werde hier wieder unter dem Stichwort "kleiner Ratgeber" berichten.

Ich bin glücklich, wieder engagierte Menschen getroffen zu haben. Es ist für alle eine Bereicherung

Mein Enkel - er hat jetzt schon 2 Ausbildungstage hinter sich und scheint recht glücklich,  aber müde zu sein. Wir treffen uns Sonntag Nachmittag. Er hat einen Fragebogen bekommen, den wir gemeinsam ausfüllen wollen.

05.01.2020

3 Stunden  habe ich mit meinem Enkel zusammengesessen. Seiin Berichtsheft durchgesehen und einiges erklärt, ich wusste sogar eine Menge übers Auto. Und das ohne Führerschein. Ich hatte Apfelkuchen gebacken und es gab Cappuccino dazu. War ein richtig schöner Nachmittag. Er ist ein netter junger Mann geworden. Da bin ich richtig stolz auf ihn

KIDNAPPING

Da ist noch etwas wichtig: was ihm passiert ist, nennt man wohl kidnapping. und er ist nicht der einzige. Er ist ein Opfer einer Schleppermasche geworden.

An der Westafrikanischen Küste geben sich Männer (Schlepper) als Priester aus und bieten an, bei Problemen, Arbeitslosigkeit die jungen Leute an einen sicheren und besseren Platz zu bringen. (Stand jetzt auch vor ein paar Wochen in der Zeitung, wir Ehrenamtler haben das natürlich schon viel früher mitbekommen). Mein Enkel wusste gar nicht wo er mal landet. Es war Paris. Er wollte nie nach Europa, er wollte nur nicht getötet werden und hat einen sicheren Platz gesucht. Er hat mich gestern gefragt, ob dass dann Schlepper waren. Er dachte immer, er wäre keinem Schlepper in die Hände gefallen, weil er ja nichts bezahlen musste. Aber natürllich hat er bezahlt. Und zwar mir seinen gültigen Papieren. Mit diesen Papieren hat ihn der Schlepper mit nach Paris genommen, ist dort mit seinen Papieren verschwunden und hat nun diese zum Verkaufen. Es werden bis zu 10.000 Euro !!!!bezahllt. Da war der Flug von Afrika nach Paris locker drin. Wenn der junge Mann irgendwann seinen Pass in seinem Heimatland anfordert kostet das zwischen 3000 und 5000 Euro. Nicht weil der Pass so teuer ist, sondern weil man sogenannte Vertrauensanwälte braucht, die den Pass besorgen und die langen richtig zu.

Also hat er sehr wohl den Schlepper bezahlt, die Rechnung kommt noch, und ganz schlimm ist, dass irgendjemand mit seinen Papieren hier in Europa unterwegs ist.

07.01.2020 Computerklassenzimmer

Heute bin ich dem Bayerischen Innenminister zum Opfer gefallen. Er hat heute unbedingt unser Ankerzentrum und das Gebäude auf der anderen Straßenseite (Freiraum 36 - da ist auch das Computerklassenzimmer und der Integrationstalk) besichtigen müssen. Leider hat man es versäumt, mich zu informieren, dass ich und natürlich auch meine Schützlinge nicht ins Gebäude dürfen. So ein Mist, was will er hier.

Da ja immer welche dabei sind, die Hilfe brauchen, haben wir im Regen auf der Straße gestanden und alles besprochen. So ein Scheiß.

Was erfreuliches: Der junge Mann aus Sierra Leone, den ich vor  ein paar Tagen in der Psychiatrie besucht hatte, hatte die Mitteilung bekommen,  dass er nicht nach Italien abgeschoben wird. Als ich heimkam, lag die Nachricht vom Anwalt im Mail-Postkasten. Ich habe dann gleich versucht, den jungen Mann anzurufen, aber er war so ruhig gestellt, dass er nichts verstanden hat. Ich habe dann KOntakt zu seiner Ärztin in der Klinik aufgenommen und sie gebeten, das Schreiben vom Anwalt an ihn weiterzuleiten. Später hat er mich dann doch angerufen. Am Freitag wird er entlassen.

und jetzt kommt mein Problem, damit der Anwalt weiter arbeitet, muss erst die ausstehende Rechnung über ca. 670 Euro bezahlt werden.

Mein Aufruf - ich suche Spender für diesen Betrag. Jede kleine Summe ist sehr willkommen.

Die Anzahlung über 250 Euro hatte ich schon im Sommer gemacht.

Außerdem hoffe ich, dass mich am Wochenende jemand nach Grub  bei Poing fährt um den jungen Mann zu besuchen um alles mit ihm zu besprechen.

Die Lehrerin, mit der ich ihn schon im Krankenhaus besucht hatte, versucht es möglich zu machen.

08.01.2020- Eine Anfrage bei unserer VHS - kann ein Asylbewerber am Deutsch C1-Kurs teilnehmen. Wahrscheinlich nur für eine kurze Zeit, weil er ja jederzeit verlegt werden kann

meine heutige Mail an die VHS:

ich betreue im Rahmen des Integrationstalks im Freiraum 36 einen jungen Mann aus dem Jemen, zur Zeit wohnhaft im Ankerzentrum.

Er möchte gerne am C1-Kurs teilnehmen. Gibt es  eine Möglichkeit zeitlich begrenzt in den laufenden Kurs einzusteigen? Er weiß ja
nicht, wann er das Ankerzentrum verlassen darf und an einen anderen Ort verlegt wird. Aufenthaltsgestattung hat er. Er möchte in München studieren und benötigt dazu C1. B2 hat er.

So lange er hier ist, würde er diese Chance einen C1-Kurs zu besuchen, gerne wahrnehmen.


Hallo Frau Schnitker,

danke für Ihre Anfrage. Hierzu kann ich Ihnen aber leider keine positive Antwort geben... Wir haben bei uns nur einen Deutsch-C1-Sprachkurs
- im Rahmen der Berufssprachlichen Deutschsprachförderung des BAMF, und hier sind nur Teilnehmer mit Berechtigung durch das BAMF, die Arbeitsagentur oder das Jobcenter zugelassen. Und selbst mit deren erteilter Berechtigung ist es nicht zulässig, inmitten des Kurses einzusteigen oder nur Teile des (400-stündigen) Kurses zu absolvieren.

Die DeuFöV ist hier sehr strikt gefasst und das BAMF räumt uns als Auftragnehmer keine Spielräume ein. Es tut mir leid, dass wir Ihrem
jungen Herrn nicht helfen können.

Vielleicht ergibt sich anderweitig mal eine Gelegenheit.

Meine Antwort darauf:

Sehr geehrter Herr , vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, deren Inhalt mich sehr enttäuscht (nicht Sie). Da wird immer von fordern und fördern gesprochen. Scheint aber eine sehr einseitige Angelegenheit zu sein. Das tut weh.


neue Mail der VHS: Ich teile Ihre Auffassung voll und ganz. Aber was ich vorher noch gar nicht aufgeführt hatte: wenn der Herr Flüchtlingsstatus hat, dann
bekäme er nicht einmal eine Berechtigung für diese Kurse (hiervon ausgenommen sind derzeit nur Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea).


Manchmal ist es schon zum Verzeifeln. Heute ist wieder mal ein Scheißtag für mich. Grrrrr

Integrationstalk 09.01.2020

nach gestern bin ich schon wieder besser gelaunt und freue mich, dass das neue Jahr so gut weiter geht, wie das alte aufgehört hat.

Gestern waren 7 Jemeniten, 2 Sierra Leoner und 1 Jordanier da. Der ist vielleicht ein Herzchen. Will arbeiten, war aber gerade einmal im
Computerklassenzimmer, das erste Mal im Integrationstalk und aus der Schule ist er rausgeflogen - wegen schlechten Benehmens. Ich habe trotzdem viel Spaß mit ihm. Bei einem unserer Stadtspaziergänge war er aber dabei und auch beim Stadtparkkonzert. Er ist mehr fürs Vergnügen zu haben. Schräger Vogel.

Einer der Jemeniten kam etwas eher, damit wir noch alleine seine Probleme (u.a. gesundheitlicher Natur) besprechen konnten. Er hat eine
starke Schilddrüsenüberfunktion. Ich werde ihm zum nächsten Mal Ernährungsvorschläge mitbringen.

Für den jungen Sierra Leoner hatte ich in der Apotheke Kurkuma besorgt. Bei uns lernt man gerade wieder wie wichtig die antiseptische
Wirkung dieses Gewürzes ist. Er wusste darum und bat mich, ihm Kokosöl und Kurkuma zu besorgen. Daraus macht er eine Creme für seine Brandwunden. Ganz üblich in Sierra Leone.

.

Themen:

Wer nicht in den Integrationskurs kommt, kann von mir keine Hilfe erwarten. Es fangen mich immer welche vor der Unterkunft ab und wollen
etwas wissen. Gerne - aber nur im Rahmen des Integrationstalks und Besuch des Computerklassenzimmers

Jeder der jetzigen TN soll nächstes Mal versuchen, einen anderen mitzubringen

Wieder darauf hingewiesen, dass meine Hilfe sehr begrenzt ist und sich meist nur auf Tipps beschränken muss

Alle sollen mir ihr Lieblingsessen und die benötigten Zutaten aufschreiben - für den Ernährungsratgeber


Deutschland wird immer mehr 2-sprachig. In einigen Firmen ist es bereits die Firmensprache - also auch die Englischen Sprachkenntnisse
nicht vernachlässigen

Veränderungen im Ankerzentrum: es leben nur noch ca. 250 Leute da und es sollen auch nicht mehr werden. Dann sollen es weniger
alleinstehende Männer sein (schade, schade), man will mehr Familien unterbringen. (OVB 7.1. und 9.1.)

Besuch des Innenministers angesprochen. Sein Fazit: es ist besser geworden, aber es gibt immer noch Beschwerden von Anwohnern.

Meine Hinweise: ab 22 Uhr keine laute Musik mehr. Kein arabisches Palaver im Supermarkt neben an. Dabei auch nochmal darauf hingewiesen, dass ein Grund, warum niemand an Muslime vermieten will, die nächtlichen Ruhestörungen während des Ramadan sind. Sie fangen mitten in der Nacht zum Kochen an und beim Sonnenaufgang wird gegessen, möglichst mit vielen anderen zusammen. Wir wollen nachts schlafen, wollen kein Essen riechen und morgens gerne ausschlafen. Einwand: "Aber das ist doch unsere Religion". In Deutschland sind Kirche und Staat getrennt und der Staat sagt "Nachts keine Ruhestörung"

Gilt auch für 5 x beten am Tag. Nicht am Arbeitsplatz. Können sie gerne abends nachholen. "Was sagt da Allah" - der wird stolz sein, dass  Ihr so fleißig seid. Mmmhhhh???

Dann die Zeitungsartikel angesprochen, dass auf einem Dorf ein Deutscher Muslim nicht als CSU-Bürgermeister-Kandidat akzeptiert wurde -
was für Kleingeister  OVB 07.01.

Eine Syrische Familie wurde von einem Makler abgezockt. OVB 07.01.

Bitte Verträge immer von jemand vorab durchlesen lassen, z.B. Jobcenter, Caritas usw.

Ich hatte noch mal eine Flasche alkoholfreien Sekt und Glückskäfer aus Schokolade dabei. Ich mag beides nicht, aber die jungen Männer
schon sehr.

11.01.20

Gestern Abend habe ich die Nachricht erhalten, dass mein "Enkel"  am Vormittag ins Krankenhaus kam. Bauchschmerzen.

Soeben habe ich den Grund erfahren: Muskelverhärtung im Sixpack!!!! Er darf in Zukunft nicht mehr soviel trainieren. Ab jetzt machen wir mehr Gehirntraining für die Ausbildung.

13.01.20

Nachhilfeunterricht für meinen "Enkel" und andere: Ich hatte erfahren, dass man dafür monatlich 50 Euro bekommen kann. Hätte ich gerne genommen und an meine Schützlinge weitergegeben. Also habe ich mich an Das Rote Kreuz gewandt, dass dafür zuständig ist. Hier die Antwort:

"das Seminar findet in München statt und dauert ein Wochenende, die Kosten werden meiner Information nach von SES übernommen.

Die 50 € sind allerdings auch als Ersatz für Fahrtkosten und als Aufwandspauschale für Sie anzusehen und nicht für eine Weitergabe an die Geflüchteten für Anwaltskosten oder andere Belange. Ich würde auch immer davon abraten, als Ehrenamtlicher Geldbeträge an die Geflüchteten zu verleihen oder Ähnliches. "

Darüber war ich sehr enttäuscht. Hier meine Antwort:

"vielen Dank für die Auskunft. Muss ich noch mal drüber nachdenken.

Allerdings spreche ich nie von Flüchtlingen, sondern von meinen Schützlingen. Und ich helfe gerne, meine Mittel  als Rentnerin sind allerdings begrenzt.

Und wenn ich mal mit Geld unterstütze dann ist das nichts gemessen an dem, was ich von diesen Menschen zurückbekomme. Diese Arbeit ist die besthonorierteste meines Lebens.  Im Übrigen zahlen die meisten das ausgelegte Geld zurück. Manchmal schenke ich aber auch das Geld und andere Zuwendungen. Das ist aber vorher festgelegt."

Ganz erfreuliches gibt es auch zu berichten, ich bekomme noch mal einen Zuschuss zu den Anwaltskosten. Und falls mir was übrig bleibt kommt es in die Kasse für meine "Schützling-Hilfe". Der lieben Spenderin ganz herzlich Dank, zumal sie es auch nicht dicke hat, im Gegenteil.

14.01.2020

Ein sehr anstrengender Tag. Vormittag schon einige Kontakte mit verschiedenen Anwälten. Ganz schnell waren ein paar Stunden weg. So ging es mir auch gestern Abend, ich wollte früh ins Bett als noch so einige Probleme hereinkamen.

Internetklassenzimmer - es kamen nur Absagen, bis auf einen Mann aus Sierra Leone für den ich Unterlagen vom Anwalt dabei hatte. Gestern waren 2 Jemeniten bei mir, einer wollte Auskunft über Familienzusammenführung, der andere war zum Dolmetschen dabei. Das war auch der Grund,  warum ich gleich heute morgen Kontakt zu einer Anwältin aufgenommen habe. Sie hat mir aber bestätigt, dass  ich mit meiner Auskunft richtig lag, so lange man noch im Ankerzentrum ist, gibt es da gar keine Möglichkeit.

Wenn er ein Bleiberecht hat, dann müssen seine Frau und die Kinder nach Amman und dort bei der Deutschen Botschaft Visen für Familienzusammenführung beantragen.


"Enkel" kam gestern wieder aus dem Krankenhaus - sein Chef hat ihn abgeholt und nach Hause gebracht - eine Woche ist er krank geschrieben. Morgen treffen wir uns, ich denke ich muss ihm erklären, wie man schwere Sachen hochhebt ohne sich einen Bruch zu heben.

Inzwischen kam von dem jungen Mann, der jetzt schon 2 x in der Psychiatrie war und seit gestern wieder in seiner Unterkunft ist, dass er sich nicht zu helfen weiß, er kennt sich nicht mehr aus und ich soll ihn nächste Woche wieder in die Psychiatrie bringen. Nächste Woche habe ich keine Fahrgelegenheit. Ich wollte ihn am Samstag besuchen - ist in der Nähe von München - und so einiges mit ihm besprechen. Inzwischen habe ich das Krankenhaus angeschrieben,  ob ich ihn am Samstag da hinbringen kann.

Er möchte unbedingt am Freitag mit dem Anwalt sprechen. Mal sehen, ob das geht. Normalerweise hat der Anwalt freitags Gerichtstermin. Ich hatte schon einen persönlichen Termin für den 28.01. vereinbart.

Im  MOment bin ich ziemlich hilflos. Ich hoffe, dass ich morgen eine Antwort von der Klinik bekomme, wie ich vorgehen soll.

Ein schwerer und schwieriger Tag.

15.01.2020

Von der Klinik habe ich die Nachricht erhalten, dass er jederzeit in die Notaufnahme kommen kann und um Aufnahme bitten kann.

Ich denke, er braucht eine Dauerbetreuung. Ich hatte gehofft, dass mein "Enkel" heute kommt, damit er mit S.K. telefonieren kann, am besten  in ihrer Sprache Kio. Aber er leidet noch vor sich hin. Nun hoffe ich, dass es am Freitag klappt. Dann kann ich klären, ob wir am Samstag zusammen in die Notaufnahme fahren.

Es muss doch so etwas wie betreutes Wohnen für psychisch Kranke geben.

16.01.2020

Wahnsinn, unsere Ehrenamtsköchen hört krankheitsbedingt auf, die Küche zu betreuen. Wir haben ja für die  Bewohner des Ankerzentrums in einem Haus gegenüber  - wo auch die Sprachkurse und der Integrationstalk stattfinden - eine Küche eingerichtet. Jeden Mittag treffen sich da Leute aus dem Ankerzentrum zum Kochen ihrer Landesküche.

Gestern Abend wurde also meine Kollegin verabschiedet. Es waren ca. 60 Leute. Seit Mittag hatten sie schon gekocht. Den Hauptanteil der Kosten hat meine Kollegin getragen, dürften einige 100 Euros gewesen sein.

Das Essen war sehr sehr gut - allerdings essen die meMitisten Leute - auch die Deutschen - viel zu viel. Sieht man meistens. Fast alle, die da waren, kannte ich bereits, habe aber wieder 2 nette junge Männer aus Sierra Leone und einen sehr netten Nigerianer kennengelernt. Ich hoffe, sie kommen zum Integrationstalk.

Ein junger Syrer, der auch beim letzten Ausflug dabei war, hat mir gesagt, dass er wieder nach Syrien zurück geht. Er hat so Sehnsucht nach seiner Tochter. Wohin er denn geht?

Nach Idlib - Wahnsinn. "Ich muss dahin, ich muss für meine Tochter da sein."

So herrlich es  gestern war, so laut war es. Ich war froh als ich zurück in meiner ruhigen Wohnung war.

17.01.2020

Heute habe ich erfahren, dass es in Zukunft Schulunterricht für alle Asylsuchenden im Ankerzentrum geben soll, unabhängig vom Alter. Bisher war es nur für Leute unter 24 Jahren möglich. Und dann ist der Besuch der Schule auch Pflicht. Finde ich super. Waldkraiburg tut sehr viel für diese Leute.

18.01.2020

mit meiner Schwester - sie ist immer so lieb und spielt Taxi auf ihre Kosten - bin ich nach Grub/Poing gefahren um den jungen Mann aus Sierra Leone zu besuchen, der jetzt schon 2 x in der Psychiatrie war. Als ich diesen elenden Platz gesehen habe, musste ich mich sehr zusammmenreißen um nicht auszurasten. Wir sollten uns schämen. Schon wieder einmal.

Wir sind zusammen in ein Café gegangen, es war Mittagszeit und er hatte noch nichts gegessen. Es gab Pute in der Semmel, Cappuccino (den er aber nicht getrunken hat?!?) und Cola.

Ich habe ihm gesagt, dass er besser aus sein Äußeres achten muss, die Fingernägel waren gut 1 1/2 cm lang !!!!!!!. Grauenvoll. Er hat keine Schere und auch keine Feile. Auch die Haare waren sehr ungepflegt. Warum hat man das in der Psychiatrie nicht gesehen? Ansonst waren Kleidung und Körpergeruch tadellos. Das Containerkabuff ist so klein. Nur 2 Betten und 2 schmale Schränke, kein Tisch kein Stuhl. Wo er denn isst? Im Bett aus dem  Topf. Mir graust es - wenn da Essen rausfällt liegt das im Bett, wenn Fliegen kommen, kommen die Maden.

Igitt. So lange er hier war, war er immer tadellos. Unser Ankerzentrum ist dagegen ein Luxushotel. Alle, die da mal gewohnt haben und dann woanders hinkamen, bestätigen das.

Ich habe ihm dann die Aufstellung übergeben, wie er die von mir ausgelegten Kosten zurückzahlen muss. Dabei stellte sich heraus, dass er seit Wochen kein Geld mehr bekommen hatte.

20.01.2020

Inzwischen war er bei der Ausländerbehörde und hat jetzt eine Aufenthaltsgestattung zur Durchführunge seines Asylverfahrens, das jetzt beim Verwaltungsgericht liegt. Was danach kommt, ist immer noch ungewiss. Darf er dann bleiben, muss er nach Italien zurück oder nach Sierra Leone - die nehmen aber ihre Leute nicht zurück, bleibt Italien. Die werden sich auch nicht darum reißen.

Er hat sogar den Vermerk,  dass er mit Genehmigung des Ausländerbehörde arbeiten darf. Und seit heute geht er wieder in die Schule. Ich hoffe, er bekommt sein Leben auf die Reihe.

Ich habe ihm ein paar Fotos von seiner Zeit hier in Waldkraiburg geschickt. Da schaut er noch ganz glücklich. Eines hat er gleich als Profilbild bei Whatsapp genommen.


Dann habe ich auch einen Anruf bekommen von einer anderen Ehrenamtlerin - ich kenne sie nicht, ist aus einem anderen Dorf - sie hat einen jungen Somalier, der Deutsch in der VHS lernt. Er sucht aber jemand, mit dem er Deutsch sprechen kann. Es hatte sich eine ältere Damen - 5 Jahre älter als ich gemeldet - aber die Familie hat er ihr untersagt, zu gefährlich!!

Blödsinn. Ich habe sie gebeten heute zum Computersprachunterricht zu kommen und auch am Donnerstag zum Integrationstalk. Mal sehen, wie wir helfen können.

Als  ich den Anruf bekam, war gerade ein ältere Mann (45) auch aus Sierra Leone bei mir. Er sollte mir einen Bericht für den Anwalt bringen, hat er aber nicht gemacht. Wenn er klagen will, braucht der Anwalt den Bericht. Also ruckizucki. Aber wir haben uns dann einfach so 1 Stunde unterhalten. Er war Fischer, aber Fisch gibt es kaum noch, die großen Trawler der Europäer fangen alles weg. Ja ist bekannt. Geändert wird trotzdem nichts. Seine 2 Kinder sind an Ebola gestorben. Ich glaube seine Frau auch. Sie auf jeden Fall auch Tod.

21.01.2020

habe gerade eine Mail vom Anwalt bekommen, dass die Kosten für den jungen Mann - für den ich ja gesammelt hatte - evtl. der Staatskasse zur Last fallen - HURRA. Mal sehen, wieviel wir - d.h. ich - wieder bekomme. Das Geld kommt dann in die Kasse für Asylnotfälle

22.01.2020

Morgens bei einer Anwältin moniert, warum nichts weitergeht, um dann zu erfahren, dass der Brief mit entsprechenden Unterlagen nie bei ihr angekommen ist. In Zukunft muss ich per E-Mail solche Sachen avisieren. Jetzt haben wir fast 2 Monate verloren und seitdem hat der junge Mann im Ankerzentrum kein Geld mehr bekommen, bzw.  schon seit 4 Monaten nicht mehr. Er kann sich ja nicht mal den kleinsten Wunsch erfüllen.

Für Raucher wäre das eine gute Entziehungskurs. Aber er raucht und trinkt ja nicht. Aber mal ein Eis wäre schön, oder eine Tasse Kaffee

Dann für 2 andere Termine mit dem Anwalt vereinbart, bzw. verschoben.

Mit dem Arbeitsgeber des anderen telefoniert.

Sehr positiv: der junge Mann mit den psychischen Problemen ist in einer Schule untergebracht worden, wo man sich seiner speziell annimmt. Da fällt eine große Last von mir ab.

Er hat heute Geburtstag und hat sich über meine Geburtstagsgrüße sehr gefreut.

sehr positiv: Skype mit meinem Freund in USA - das Wochenhighlight

23.01.2020 Integrationstalk

es wird mühseliger - so nach und nach kamen dann doch 10 Leute zusammen.

Themen:

Wichtig wichtig - bei uns steht das Gesetz über der Religion - es ist für sie sehr schwer zu verstehen. Kennen sie ja auch nicht und können sich noch nicht vorstellen, dass das besser ist.

Heute in der Zeitung: 2 Nigerianer haben sich der Sicherheitswacht widersetzt. Sie wurden verlegt. Das ist nicht das Schlimmste, aber einen Aufenthalt und eine Arbeitserlaubnis haben sie sich damit vergeigt.

Familienzusammenführung: erst nach einem Transfer möglich. In ihren derzeitigen Ausweisen steht ganz deutlich drin, dass eine Familienzusammenführung im Moment nicht möglich ist.

Und wenn, dann müssen die  Familien aus dem Jemen derzeit nach Amman/Jordanien in die Deutsche Botschaft fahren und ein Visum beantragen. Es ist nahezu unmöglich nach Amman zu kommen. Bisher war es Oman, das ging.  Ein Schelm,  wer Böses dabei denkt.


Nachdem Transfer muss die neue Adresse sofort dem Anwalt mitgeteilt werden und binnen 14 Tagen muss auch der Vollzug ans BAMF gemeldet werden.

Dann habe ich ein Problem von einer TN angesprochen. Sie hatte sich bei der UNI in Hamburg beworben. Abgabetermin war der 14.01. - was hat sie gemacht, die Unterlagen am 14. abgesandt. Jetzt ist der Aufnahmetermin verpasst. Sie hat die Nachricht gekommen, dass sie  zu spät dran war. Na klar.

Stadtspaziergang im Januar: bleibt nur noch dieser Samstag - oh, da  ist es zu kalt und und und. Ich will bis morgen Nachmittag 10 Teilnehmer, sonst fällt es aus.

Im Februar gehen wir zum Faschingsumzug - falls wir sommerliche Temperaturen haben?!

Was bedeutet Duldung/Tolerance: Dass sie das Land verlassen müssen, aber so lange sie hier sind, nicht auf der Straße leben müssen.

Duldung oder Tolerance klingen positiv, sind aber das Gegenteil.  Wie mit dem Ankerzentrum. Hat mit dem Anker = Hoffnung überhaupt nichts zu tun, sondern ist nur eine Abkürzung.


Dann habe ich noch einen Brief von der Ausländerbehörde für einen Afghanen übersetzt und ihm erklärt, was der Inhalt bedeutet. Er muss aus dem Ankerzentrum raus und muss sich mit Hilfe des Wohnungsamtes eine Wohnung suchen und das Job-Center um Unterstützung bitten. Solange er keine Wohnung hat, darf er im Ankerzentrum bleiben, muss aber dann für den Aufenthalt bezahlen. Das kann pro Person zwischen 100 und 300 Euro betragen - pro Monat. Nicht so ohne, bei einer 3-köpfigen Familie. So starten sie schon mit Schulden in ihr neues Leben hier.

Einer der Jemeniten - er war heute wegen Stresses nicht da - hat einen Transfer nach Mettenheim (ganz kleiner Ort, nur 10 km entfernt) bekommen. 3 wollten dahin, es standen aber
keine 3 Räder zur Verfügung. Es gibt schlimmeres als Mettenheim. Jetzt wollen sie morgen mit dem Bus fahren und alles in Augenschein nehmen.


Spruch von Andy Warhole: Es ist egal, wie langsam Du läufst, solange Du nie aufhörst zu gehen". Meine Übersetzung: bewegt Euren Arsch.


Dann habe ich aus gegebenen Anlaß noch mal erklärt, dass man um 15 Uhr 30 kommt, wenn der Kurs zu der Zeit beginnt und erst um 17 Uhr geht, wenn der Kurs oder Talk zu Ende ist.

Das ist wichtig. Sie stoßen sonst die Anbieter vor den Kopf: "Ach Mama"


Dann noch einer: "Mama, Du musst beim BAMF anrufen, ich will meinen Transfer nur nach München oder Nürnberg. "

Ich habe  überhaupt nichts zu melden, jeder geht dahin, wohin er seinen Transfer bekommt.  Es klang fast so, als wollte man  mir unterstellen, dass ich nicht helfen will.


Dann blieb noch einer von den Sierra Leonern länger da, er hat mir einen Bericht für den Anwalt mitgebracht, denn ich ins Deutsche übersetzen muss und an den Anwalt weiterleiten muss.

Der andere junge Mann aus Sierra Leone war fiebrig und ich habe ihm gesagt, dass er morgen zum Arzt muss - könnte eine richtige Grippe sein. (der Ältere wird sich darum kümmern)


Dann haben sie mir einen Kasten Pralinen da gelassen, sie wollen einfach nicht verstehen, dass ich so etwas nicht esse. So schade darum.

24.01.20

Ich hatte ja im November eine Anwältin angeschrieben, die sich darum kümmert, dass die Leute, das ihnen zustehende Geld bekommen - ist kostenfrei.

Vorgestern hatte ich angemahnt. Die Post ist nie angekommen. So jetzt noch mal alles gemacht, geht jetzt in die Post


Für den Sierra Leoner habe ich den Bericht für den Anwalt geschrieben und gerade per Email abgesandt.

Nicht zu fassen: 14 Leute haben sich für morgen zu dem Stadtspaziergang angemeldet. Ich bin so was von platt. Wow

25.01.2020

zu früh gefreut. Es kamen nur 10 und um 14 Uhr, wie vereinbart, war nur der Sierra Leoner da, um 14 Uhr 30 gings dann los, "aber es fehlen doch noch welche!!!" das kann schon sein, jetzt geht es aber los. Ich bin um 13 Uhr 30 von zu Hause weg, d.h. eine Stunde früher. Es war wieder ein kleiner Geschichtsspaziergang, speziell meine Geschichte. Wir sind in den Stadtteil, ein kleiner Ort ca. 3 km von Waldkraiburg entfernt. Da habe ich ihnen gezeigt, wo wir 1945 während der Bombenangriffe der Amis evakuiert wurden. Der Bauer war damals bereit uns für ein paar Wochen aufzunehmen. Die Kinder bzw. Enkelkinder haben daraus einen Vorzeige-Bauernhof gemacht, Bioland, Ferienwohnungen und ein wunderschönes Ensemble.

Gegenüber ist auch die Kirche, in der ich getauft wurde. "Eva, Du bist doch gar nicht in der Kirche". Stimmt, mich hat man damals nicht gefragt.

Auf dem Weg dahin habe ich ihnen auch unsere Geothermie gezeigt und erklärt und auch die Kläranlage. Dann sind wir wieder rauf nach Waldkraiburg-Süd. Da war in 1946 und später ein Flüchtlingslager für Deutsche aus dem Osten. Auch viele Menschen in einem Raum und die Klos in einer Reihe in einer Extrabaracke. Meine Schule war ja auch da und es war immer lustig dort aufs Klo zugehen. 10 Kinder in einer Reihe, die sich dabei unterhalten konnten. Als Kind war das lustig.

Aber auch damals gab er Vorbehalte den Flüchtlingen gegenüber - "Kind geh da nicht hin, das sind Leute aus dem Osten" "sie sprechen auch kein ordentliches Hochdeutsch".

Nach einiger Zeit war das alles vergessen. Die Flüchtlinge bauten das damaliger Pürten auf dem Gebiet der DSC aus und haben so den Wohlstand der Stadt Waldkraiburg geschaffen.

Wird immer wieder vergessen, vor allen Dingen von EU-Arbeitern und Leuten aus den neuen Bundesländern, die  hier Arbeit finden, die sie dem Fleiß der Flüchtlinge zu bedanken haben.

Dann habe ich ihnen noch das Haus gezeigt, in dem ich die ersten beiden Lebensjahre gewohnt habe, das Holzhäuschen danach steht leider nicht mehr.

Eine Teilnehmerin sagte dann, dass sie sehr viel gelernt habe.

26.01.2020 - Heute hat mich der Jemenit besucht, der morgen seinen Transfer hat - nur 8 km entfernt - allerdings 6 Betten in einem Zimmer. Im Ankerzentrum hatten sie einen Raum zu zweit. Er will versuchen, ein Fahrrad zu bekommen und dann will er weiterhin den Integrationstalk besuchen. Toll. Begleitet wurde er von einem Freund, der eine Fotografie von mir bei einem Stadtspaziergang gerahmt hat und sie mir heute geschenkt hat.

noch etwas zum Stadtspaziergang: wir hatten per  Whatsapp ein paar Freunde "mitgenommen". Sie wurden schon vor einiger Zeit verlegt, halten aber immer noch Kontakt, auch zu mir.

und so sind wir ein Stück zusammengegangen. Ganz toll

28.01.2020 - Computerklassenzimmer

Irre, wir waren voll besetzt. Dann hat die Lehrerin der Berufsintegrationsschule aus dem Ankerzentrum mir einige Schüler geschickt, die schon so gut Deutsch sprechen, dass sie eine weitere Förderung benötigen. So bin ich insgesamt 7 Leuten nach dem Kurs zu meinem Kollegen gegangen, der zu B1 und B2 puscht. Es war so ein Sauwetter, stürmisch mit Schnee dazwischen. Eine andere Frau, die sich um einen jungen Somalier kümmert, hat mir auch diesen geschickt. Er ist fast bis zum Treffen mit gegangen um dann ohne etwas zu sagen die Gruppe verlassen hat. Komischer Kauz. Wer nicht will, der hat schon.

Bin mal gespannt, was mir mein Kollege zu den jungen Leuten sagt. Sie kommen aus Tansania, Uganda, Iran, Afghanistan, Jemen - bis auf eine sprechen alle schon gut Deutsch. Tüchtige junge Leute, könnten wir alle hier gut gebrauchen. Hoffentlich bekommen sie eine Chance.

Nigeria: der Anwalt hat mich wegen eines ehemaligen Schützlings angeschrieben. Ich musste erst mal einen Weg finden, wieder Kontakt zu ihm aufzunehmen. Eine liebe Ehrenamtlerin aus seinem Landkreis hat mich unterstützt, sicher aber gleichzeitig beklagt, dass es mit ihm sehr schwierig ist. Er kommt nicht zu den Treffen, die sie und ihre Kollegin anbieten.

Jetzt wollte sie mit ihm das Schreiben des Anwalts besprechen - hatte ich an sie geschickt - aber da hat er keine Zeit. Dann hat er mir die Kopie eines Schreibens eines InkassoUnternehmens geschickt. Er will deswegen einen Anwalt. Heute morgen habe ich ihm erst mal den Kopf gewaschen. Ergebnis: er trifft sich mit der Dame zu dem von ihr vorgeschlagenen Termin. Die Rechnung vom Inkassounternehmen soll er ruckartig bezahlen und er darf nicht mehr Geld ausgeben, als er hat. Noch besser, jeden Monat etwas zurücklegen.

Mal sehen, was wird

30.01.2020 - Integrationstalk

ging wieder schleppend los. Am Ende waren es 5 Jemeniten, 2 x Sierra Leone, 1 x Jordanien

Themen:

In der Zeitung war ein Artikel über korrupte Länder, dass der Jemen zu den korruptesten gehört, hat sich nicht verwundert und die Sierra  Leoner hat es gefreut, dass sie im nur im Mittelfeld sind (dafür gibt es in diesem Land immer noch Wudu-Zauber, Geheimbünde und andere Bedrohungen)

Bitte bei Geschenken immer den Preis abmachen und bei offiziellen Einladungen eine Kleinigkeit mitbringen, 1 kleine Blume genügt. Da haben sie überlegt, was sie mir immer mitbringen sollten. Das sind Arbeitstreffen, da sollten sie nichts mitbringen.

Coronavirus - Hände waschen, immer, wenn sie draussen waren, Türklingen oder die Supermarktwagen angelangt haben. Erst die Hände zuhause  waschen und dann erst die Lebensmittel zum Einräumen anfassen. Nicht in die Hand niessen und niemand die Hand geben, der  sich gerade die Nase geputzt hat. Nicht ins Gesicht fassen. Im  Übrigen ist hier die Grippe viel gefährlicher. Sie wurden allerdings alle geimpft und danach ging es ihnen erst mal schlecht.

Wann ich geimpft wurde - tja lügen oder die Wahrheit sagen? Ich bin noch nie gegen Grippe geimpft worden. Ich wüsste auch nicht, wo ich hin gehen soll, ich habe ja keinen Hausarzt.

Das hat sie belustigt. Aber für nächstes Jahr denke ich darüber nach.

Stadtspaziergang: Ich erwarte in Zukunft, dass sie pünktlich kommen, und dass die, die sich angemeldet haben, auch wirklich kommen. Das letzte Mal haben 5 gefehlt, und wir haben lange auf sie  gewartet. Das ist nicht nur unhöflich, dass ist unverschämt.

Ich werde in Zukunft nur noch denen helfen, die immer zu den Integrationstalks kommen und nicht nur das eine Mal, damit sie Hilfe bekommen.

Im Februar gibt es keinen Stadtspaziergang, wir gehen zu dem Faschingszug - passt.

Eine junge Frau   wollte wissen, ob wir einen Ausflug in den Schnee machen können und um Skifahren zu lernen. Das geht nicht, das ist zu teuer. Außerdem brauchen sie dann auch entsprechende Kleidung und Ausrüstung. Und selbst das Ausleihen übersteigt ihre Möglichkeiten. Große Augen auf mich - auch meine Möglichkeiten übersteigt das.

Bei den Spaziergängen muss immer wieder mal jemand pieseln. So auch das letzte Mal. Welche Ausdrücke gibt es dafür? Pippi machen (mein Lieblingsausdruck), Hochdeutsch: Wasser lassen, pinkeln, pissen, auf die Toilette/aufs Klo gehen, und vieles mehr. Ich habe darauf hingewiesen, dass Wildpieseln nicht erlaubt ist. Jeder machts, ich auch.

Dieses Mal bin ich aber in die Kletterhalle gegangen. Natürlich auf die Toilette.

In der Zeitung war auch ein Artikel über eine Reise in den IRAK vor ein paar Tagen, also mittenhinein in die Unruhen. Es war eine tolle Erfahrunger der Berichterstatterin (von der evang. Kirche). Alle Menschen waren so freundlich, es spielt weder die Religion noch das Kopftuch eine Rolle. Sie hatte sich die Zehe auf der Reise gebrochen und wurde so gut behandelt.

Auch jetzt gibt es viele Touristen im JEMEN. Alle sind  herzlich willkommen, wir sollten ruhig alle jetzt hinfahren. Uns würde von der Seiten der Jemeniten nichts passieren. Die Gefahr geht von den Parteien aus, die sich da eine Stellvertreterkrieg liefern.

So kamen wir auch zu Fakenews: Es ist ja bei den Jemeniten einer dabei, der als Journalist von Ägypten aus über sein Land berichtet hat und daher nicht mehr zurück kann.

Im Camp wird sehr viel Russia Today gehört, gelesen. Ich war entsetzt, ganz besonders als man mir gesagt hat, dass die Sicherheitsleute diesen Sender bevorzugt hören. Sie sind fast alle Putinverehrer. Ich: Dieser  Sender wird von Putin gesteuert. Bitte nicht den Nachrichten von diesem Sender glauben.  Dieser Sender wird ihnen von den Sicherheitsleuten
empfohlen. Wahnsinn.

Dann war noch einer da, der von mir einen Einspruchsbrief fürs Verwaltungsgericht wollte. Er hat die Unterlagen schon seit ein paar Tagen, jetzt müsste der Einspruch gleich noch raus. Tut  mir leid, ich habe gleich um 18 Uhr eine Verabredung. Das sollten die Sozialarbeiter für ihn machen. Die haben keine Zeit und haben an mich verwiesen.

Normalerweise schicke ich diese Leute zur Caritas. Die  ist nur mittwochs in Waldkraiburg und das wäre dann zu spät.
Da der junge Mann  über die Niederlande eingereist ist und aus Jordanien stammt, sehe ich sowieso keine Chancen für ihn. Und ich glaube auch nicht, dass
er für uns eine Bereicherung wäre (habe ich ihm nicht gesagt).

Auf dem Weg nach Hause ist mir noch ein Syrer begegnet, der am Montag wieder zurück in seine Heimat und zu seiner Familie geht. Seine Tochter braucht ihn. Es geht nach Idlib - Wahnsinn.

Abends: ich habe mich mit 2 Lehrerínnen aus der Berufsintegrationsschule getroffen. Wir haben uns u.a. über die Schüler der beiden Klassen gesprochen, die wir vor 2 Jahren betreut hatten. Sie wissen immer noch die Namen der Schüler und freuen sich, wenn sie sie immer wieder mal treffen. Meist auf Bahnhöfen. Wir wollen für den Sommer ein Treffen organisieren.

31.01.2020

Für alle und speziell für die Unterstützer für den jungen Mann aus Sierra Leone

heute hat mich seine Lehrerin angerufen - ich hatte ja vor 2 Wochen um Kontaktaufnahme gebeten, aber sie war krank und kam dadurch erst heute dazu. Wir waren uns einig, dass er eine enge Betreuung braucht. Er geht wieder in die Berufsintegrationsschule und aus seiner Containeranlage ist da noch ein junger Mann, der psychisch recht stabil ist und sicher seiner annimmt. Sie wird sich auch darum kümmern, dass er vor  Ort einen Ehrenamtler an seine Seite bekommt und wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt. Ich bin so froh für ihn.

Sie hat mir erzählt, dass er so froh ist, dass ich immer für ihn da bin.

Es gibt doch immer wieder gute Nachrichten - es ist wirklich eine tolle Aufgabe


03.02.2020 Anruf von meinem "Enkel", er musste Schulbücher kaufen, hat aber das Geld nicht, der erste Lohn kommt erst in ein paar Tagen. Seine Personalchefin ist  mit ihm zur Schule gefahren und hat die Bücher für ihn gekauft. Sein Weg zum Bahnhof hier in Waldkraiburg ist weit und der in Mühldorf zum Arbeitsplatz einige Kilometer. Das ging ganz gut mit dem Fahrrad. Wir haben es noch mal richten lassen, aber jetzt ist es  wieder kaputt und nicht mehr reparabel. Also musste es  alles zu Fuß machen. D.h. um 5 Uhr 30 losgehen um dann um 19 Uhr zuhause zu sein. Er muss dann abends auch noch lernen. Ist ja alles nicht seine Sprache. Und nun hat die Tochter der Personalchefin angeboten, ihn jeden Morgen vom Bahnhof abzuholen und abends wieder zum Bahnhof zu bringen. Also verkürzt sich die Zeit um gut  2 Stunden. Einfach Klasse.

Gestern dem jungen Nigerianer, der nicht mehr hier wohnt, mal richtig die Leviten gelesen und ihn in die Gänge gebracht, Unterlagen für den Anwalt angefordert und ihm erklärt, dass er nicht mehr Geld ausgeben darf, als er monatlich bekommt. Ich habe dann seine Unterlagen an den Anwalt gesandt und diesem heute mitgeteilt, dass ich nicht mehr für ihn zuständig bin, er hat schon seit einem Jahr eine nette Ehrenamtlerin an seiner Seite.

04.02.20 - Für einen Sierra Leoner hier im Camp habe ich Unterlagen vom Anwalt bekommen und auch die Rechnung, die er zu bezahlen hat, sonst macht der Anwalt nichts. Wieder 760 Euro. 50 hatte ich ja  schon beim Gespräch beim Anwalt für ihn ausgelegt, habe ich inzwischen auch zurück bekommen. Heute hat er  mir wieder 100 Euro gegeben, der Anwalt will 200 als Anzahlung, also lege ich erst mal 100 Euro dazu und überweise das morgen.

Habe heute alles Papiere ihm beim Computerklassenzimmer übergeben. Dann kam ein junger Mann aus Tansania - so ein netter und höflicher junger Mann, den ich ja zu meinem Kollegen  mitgenommen hatte - heute kam er um sich bei mir für diese tolle Chance Deutsch zu lernen zu bedanken.

Dann kam ein Mann, den man aufgefordert hatte, mit seiner Familie das Camp zu verlassen und sich eine Wohnung zu suchen. Ich hatte ihm beim letzten Mal die Schreiben erklärt.

Heute erzählt er mir, dass er inzwischen beim Jobcenter war und auch beim Wohnungsamt der Stadt. Da hat man ihm gesagt, dass  man ihm nicht helfen kann, weil der den falschen Ausweis hat. Und nun? Ich habe ihn zur Ausländerbehörde geschickt. Die hinken wohl ein bisschen hinterher.

Im Computerklassenzimmer waren heute nur wenige: der eine wegen seiner Wohnungssuche, der andere wegen seiner Papiere. Zum Deutschlernen waren nur 5 da und 4 Kinder.

Traurig

06.02.20

Mein Schützling aus Sierra Leone, der in der Psychiatrie war und den ich im Januar einmal in der Psychiatrie und einmal in seiner Unterkunft besucht hatte.

Also ich muss sagen, der Landkreis Ebersberg macht viel für seine Schutzbefohlenen. Vorige Woche hatte mich ja die Lehrerin angerufen und heute ein MA der Caritas.

Er ist 2 x pro Woche in der Unterkunft und nimmt sich seiner an, geht mit ihm die Post durch und wird ihn auch psychiatrisch betreuen lassen. Er nimmt Kontakt zum Anwalt hier auf, so dass alle Post direkt an den jungen Mann aus Sierra Leone geht. Er wird sich jetzt auch noch mit dem Helferkreis des LK in Verbindung setzen - ich hatte hier ja leider noch keine Anwort auf meine Mail erhalten.

Er hatte ihn auch mit dem Sanka in die Psychiatrie begleitet.

Ich bin sehr froh, dass S.K. nun in guten Händen ist und ich mich nicht mehr täglich um ihn kümmern muss. Das ist gut für ihn, er soll ja zurück in ein normales Leben finden und vieles auch ohne Anschubsen durch mich erledigen. HURRA

06.02.2020 - Integrationstalk

der Talk lief gestern etwas anders ab als üblich. Die Lehrerin aus der BIK kam mit einem Jemeniten, der die Aufforderung erhalten hatte nach Griechenland zurückzukehren und dort seinen Asylantrag zu stellen. Er hatte nun Angst, dass er nach Kos zurück muss, einer dieser Elendsinseln. Ich könnte mir denken, dass abgeschobene Asylbewerber aufs griechische Festland kommen. Ob ich ihn beruhigen konnte, weiß ich nicht. Aber dieses Gespräch hat dann schon mal eine halbe Stunde gedauert.

Dann war ein neuer junger Mann aus Sierra Leone da, der ja auch Anspruch auf einen Schulplatz hat und dann hat sie gleich mit ihm einen Termin für heute Morgen vereinbart.

Dann war noch S. mit einem Schreiben von der Regierung von Unterfranken da. Sie hat ja Bleiberecht und muss daher für ihr Bett und ihr Essen im Ankerzentrum bezahlen. Auch wenn sie noch keine Arbeit hat. Die Rechnung kommt irgendwann, Abrechnungszeitraum ab jetzt. D.h. sie startet dann mit Schulden ins Berufsleben. Ich habe ihr gesagt, dass sie die Rechnung nicht gleich bezahlen soll, sondern erst das Jobcenter und das Sozialamt um Unterstützung bitten muss. Wenn sie bezahlt, hat sie diese Forderung anerkannt.

Ich habe ihr auch gesagt, wenn sie schon fürs Essen bezahlen muss, dann  soll sie auch hingehen. Das schmeckt nicht. Die Lehrerin hat dann erklärt, dass man immer wieder probieren muss, damit man den Geschmack kennen und irgendwann auch lieben lernt.

Dann war noch ein Sierra Leoner da, mit dem ich auch beim Anwalt war. Für ihn hatte ich Geld an den Anwalt überwiesen, damit dieser das Verfahren - ersten negativen Bescheid hatte er bereits erhalten - weiter betreibt. Ich hatte von dem Mann schon Geld bekommen und  habe dieses an den Anwalt weitergeleitet. Sie haben ja alle kein Konto. Meine 5 Freibuchungen überschreite ich locker.

Themen, die noch geschafft werden konnten:

Deutschland ist ein Sozialstaat - was bedeutet das? Der Staat kümmert sich um alles (manchmal sehr gut, manchmal haperts)

Deutschland ist eine Solidargemeinschaft. Heißt, wir zahlen für alles und für alle Steuern, Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung. Und damit wird auch der Sozialstaat bezahlt

Dabei kamen wir wieder darauf zu sprechen, ab welchem Gehalt man hier leben kann - Waldkraiburg oder München, oder Dorf auf dem Land

Dann ein bisschen was lustiges: Sie sind alle "Umara". Große Augen. Das ist Bayerisch und heißt bei einer Verabredung z.B.: Frage, wann kommst Du? So umara viere.

Kann 20 Minuten  vorher oder 10 Minuten später sein. Wie ich das übersetzen würde? Mit "Inshalla". Großes Gelächter, denn wenn ich frage "kommst Du in den Integrationstalk?

Heißt es oft: Ja, Inshalla (so Allah mir helfe). Nix, sie müssen sich schon selbst bewegen.

Job: 50 % aller anerkannten Flüchtlinge haben nach 5 Jahren einen Job. Wir haben aber 1000ende von nicht anerkannten Flüchtlingen im Land. Also liegt die Quote vielleicht bei 15 %?

Und man muss nicht nur anerkannt sein, sondern auch gut Deutsch sprechen.

Über die Wahl in Thüringen haben wir auch gesprochen, sie hatten das schon über die Sozialen Netzwerke mit unterschiedlicher Auslegung erfahren. Ich werde das nächstes Mal noch mal aufgreifen, zumal sich die Situation über Nacht geändert hat.

S. hatte mich im Klassenzimmer angesprochen, ob ich nicht öfters mal für sie Zeit hätte.,z.B. samstags und sonntags,  um nur Deutsch zu sprechen. Das will ich nicht, ich brauche auch freie Tage. Ich habe daher den Vorschlag gemacht, dass ich an den Integrationstalk eine Stunde anhänge, in der nur Deutsch gesprochen wird - ohne jede Übersetzung ins Englische oder Arabische.

Wer Lust hat kann kommen.

7 Themen konnte ich nicht ansprechen. Um 18 Uhr 30 war ich zuhause. So hungrig.

11.02.20 - Computerklassenzimmer

es waren immerhin 8 da und 4 Kinder. Manche kommen ein bisschen später, andere gehen früher. Ich bin froh, wenn sie überhaupt kommen, wichtig ist, dass sie Deutschlernen.

Meine Kollegin unterschreibt dann nicht die Anwesenheitslisten nicht, sie müssen erst die Zeiten ändern. Ich bin da nicht so kleinlich. Dann kommen sie überhaupt nicht, ein bisschen Freude muss schon auch dabei sein.

Ein Afghane - er kommt immer und fast immer pünktlich, sein Sohn kommt auch mit, Mama ist schwanger. Sie müssen jetzt das Camp verlassen und sich hier eine Wohnung suchen. Außerdem sucht er einen Praktikumsplatz als Psychologe, damit seine Ausbildung hier anerkannt wird. Ich lerne schon tolle Leute kennen, Für nächsten Mittwoch habe ich für ihn einen Termin bei der Caritas vermittelt.

Der junge Mann aus  Sierra Leone, der ganz frisch da ist und letzten Donnerstag zum 1. Mal zum Integrationstalk kam, war auch da, geht jetzt auch jeden Vormittag in die Berufsintegrationsschule - schön, d ass das so gut geklappt hat.

Für den Jemeniten, der zurück nach Griechenland soll/muss habe ich mich bei der Rückkehrhilfe der Caritas schlau gemacht und die Auskunft an die Lehrerin weitergeleitet.

12.02.20 - von einer Teilnehmerin am Weibertratsch bekomme ich vielleicht für meinen "Enkel" ein Fahrrad. Sie  muss aber erst ihren Mann überreden, das Rad, dass er schon seit Jahren nicht benutzt, rauszurücken. Er ist ein Eichhörnchen und sammelt alles.

Der "kranke" Sierra Leoner hat eine Vorladung zur Polizei bekommen. Es geht um seine versuchte Attacke gegen eine Sicherheitskraft. Wenn ich einen Führerschein hätte, würde ich hinfahren und ihn begleiten. So hoffe ich wieder mal auf die Caritas.


13.02.2020 - Integrationstalk

viel Vorbereitungszeit für nur eine kleine Gruppe von Teilnehmern. 4 x Jemen, 1 x Sierra Leone

Themen:

Mitteilung von VETO (Portal der Asylhelfer Bayern) bezüglich Abschiebung

Die Polizei darf niemand länger als eine Nacht in Gewahrsam behalten. Danach hat jeder das Recht eine vertraute Person darüber zu benachrichtigen, damit diese weitere Schritte unternehmen kann. Das kann ein Ehrenamtler, der Anwalt oder ein Sozialarbeiter sein. Habe die Unterlagen verteilt.

Die Deutsche Bahn sucht ständig Mitarbeiter, nach einem Transfer und guten Sprachkenntnissen auch das in Erwägung ziehen

Erklärung was ist ein Flüchtling. Es gibt Asyl, Subsidärer Schutz, Abschiebeverbot usw.

Dann haben wir uns über Vollverschleierung/Nikab unterhalten. Sie sehen das nicht als schlimm an, kann  sich doch jeder anziehen, wie er will. Für sie ist es keine Unterdrückung. Sie haben z.B. Urlauberinnen (auch Deutsche) im Jemen, die im Bikini am Strand liegen. Keiner sagt was, obwohl es ein NoGo ist.

Was ich meine? Ich möchte nicht mit Menschen sprechen, die ich nicht sehen kann. Das ist in meinen Augen sehr unhöflich. Mit unhöflichen Personen spreche ich nicht. Basta

Ihre Meinung: du bist doch sonst so aufgeschlossen. Ich: hier nicht.

Griechenland: Asylverfahren dauern bis zu 3 Jahren - das ist Normalität geworden und es gibt auch nur noch für 3 Jahre Asyl.

Die Rettungshilfe Sophia im Mittelmeer sollte auf Deutschen Wunsch wieder aufgenommen werden, bekommt aber in der EU keine Mehrheit. Entsetzen

Asylanträge sollen laut der Verhinderer in Zukunft an den Ausgrenzen der EU gestellt werden. Wie das gehen soll? Keine Ahnung.

Hinweis auf die Veranstaltung des Flüchtlingsrates am 03.03. in unseren Räumen. Frage: Warum es noch keine Info darüber im Camp gibt, ob Flyer verteilt werden oder
Aushänge?

Allgemeiner Konsens: auf die Sozialarbeiter sollten wir uns nicht verlassen.

Faschingsumzug am 22.02. wird unser Stadtspaziergang: wir treffen uns um 14 Uhr

Einige dieser Themen werde ich nächste Woche noch mal aufgreifen.

Dann haben wir noch, wie versprochen, eine Stunde nur Deutsch sprechen angehängt. Bis zum Schluss 18 Uhr ist nur eine junge Frau  geblieben.

Mit Teil 17  geht auf einem neuen Button weiter


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